3. Kleine Mommsen-Tagung 2008 in Rostock

Tradition und Erneuerung in der Zeit der Flavier: Mediale Strategien


Vom 9. bis 12. Oktober 2008 veranstaltete die Mommsen-Gesellschaft am Heinrich Schliemann-Institut für Altertumswissenschaften der Universität Rostock die 3. ‚Kleine Mommsen-Tagung‘. Der Vorstand hatte dem Vorschlag von Christiane Reitz, Norbert Kramer und Lorenz Winkler-Horaček zugestimmt, als Thema „Tradition und Erneuerung in der Zeit der Flavier: Mediale Strategien“ vorzugeben. Die insgesamt 23 Vorträge gliederten sich in 6 Themenbereiche, in denen jeweils Beiträge aus den beteiligten altertumswissen-schaftlichen Disziplinen Alte Geschichte, Klassische Philologie und auch Klassische Archäologie zusammengeführt wurden. So sollte einerseits der fachlich verengte Blick auf den jeweiligen Gegenstand erweitert, andererseits der Dialog zwischen den Disziplinen intensiviert werden. Der erste Themenbereich „Krieg und Sieg: Die Medialisierung des Krieges“ fasste Beiträge zur Behandlung der Kriegsthematik in Münzprägung, Geschichtsschreibung und Dichtung zusammen, im zweiten (Mythos und Logos) ging es um vor allem um den Umgang mit mythologischen Stoffen, vornehmlich in der Epik, aber auch in der Wandmalerei. Der Themenbereich III konzentrierte sich unter der Überschrift „Monument und Medium: Großartiges Rom“ auf die Ausgestaltung und Ausstattung der Hauptstadt, der vierte hatte unter dem Titel „Kommunikation der politischen Ordnung: Innen und Außen“ vor allem das im Blick, was man als kaiserliche Propaganda bezeichnen könnte. Der Themenbereich V („Verstetigung der politischen Ordnung“) befasste sich – im Gegensatz zu vielen auf die Frage der Herrschaftslegitimation und -installierung ausgerichteten Beiträgen – mit dem Zeitraum der bereits etablierten flavischen Herrschaft, und der 6. und letzte („Die Sicht ex post: Domitian und Damnatio) galt im Wesentlichen der letzten Phase und dem Übergang zur Regierungszeit Nervas und Trajans.

Intensive Diskussionen nach den Kurzfassungen der einzelnen Beiträge – die ausführlichen Versionen waren den Rednern vorher zugegangen – boten über die vorgestellten Thesen hinaus Anhaltspunkte zur Einschätzung von Forschungsstand, Methodendiskurs und Interessenlage in den verschiedenen Forschungsbereichen und Disziplinen. Bei den zahlreichen Vorträgen althistorischer Provenienz, fiel eine fast ausschließliche Konzentration auf den Kaiser bzw. die Zentrale des Reiches auf. Das mag weitgehend dem Tagungsthema geschuldet sein, spiegelt aber vielleicht doch eine aktuelle Tendenz wider. Die philologischen Beiträge ließen sich grob zwei Richtungen zuordnen, einer weitgehend textimmanent operierenden, die auch dann, wenn von Intermedialität die Rede war, Intertextualität meinte, und einer anderen, die die Texte auch im historischen Gesamtzusammenhang sah und aus diesem heraus zu interpretieren suchte. Für die archäologischen Beiträge stellte sich heraus, dass die Klassische Archäologie, anders als ihre altertumswissenschaftlichen Nachbardisziplinen, die flavische Zeit weniger als durch spezifische Merkmale von anderen unterschiedene eigene Epoche auffasst, sondern in ihr eher eine Durchgangsstation im Kontinuum einer sich ständig verändernden Kultur erkennt. Derartige mögliche Unterschiede zwischen den Disziplinen und ihre jeweilige Terminologie und Methodik gemeinsam zu diskutieren, war in Rostock angesichts der thematischen Dichte und Vielfalt der Vorträge natürlich nur ansatzweise möglich. Interdisziplinarität schlug sich vor allem in der Berücksichtigung jeweils fachfremden Quellenmaterials nieder. Die Tagung zeigte aber trotzdem das Potential dieses Veranstaltungstyps für den gesamtaltertumswissenschaftlichen Diskurs, der über den einzelnen Forschungsgegenstand hinausgreift. Hier liegt ja eine zentrale Aufgabe und Qualität der Mommsen-Gesellschaft überhaupt, die in Zukunft die Tagungen noch deutlicher prägen könnte – auch unter dem Aspekt der Attraktivität für diejenigen FachkollegInnen und Disziplinen, denen die Vorzüge der Vereinigung und ihrer Veranstaltungen derzeit noch nicht so bewusst sind.

Profitiert hat die Tagung davon, dass die thematischen Sektionen von den anwesenden Mitgliedern des Vorstandes moderiert wurden, und dass eine eingehende Abschlussdiskussion eine inhaltliche Zusammenführung der Beiträge und der Themenstränge leistete. Für die nächste Tagung im Jahr 2010 wird als Themenrahmen vorgeschlagen „Das Öffentliche und das Private“. Wir bitten Sie, bereits jetzt über eine Konkretisierung dieser Rahmenthematik nachzudenken und zu überlegen, ob Sie sich mit Vorschlägen beim amtierenden Vorstand melden möchten.

Die Tagung wurde von der Mommsen-Gesellschaft, der Fritz Thyssen-Stiftung und dem Verein Rostocker Freunde der Altertumswissenschaften e.V. gefördert. Das detaillierte Programm ist jetzt auf den Archivseiten der Homepage einzusehen.
(Bericht: Wulf Raeck und Christiane Reitz)