Aktuelles

  • Ausschreibung Kleine Mommsen-Tagung 2027

    Die Mommsen-Gesellschaft e. V. veranstaltet alle vier Jahre eine Kleine Tagung. Als nächster Termin ist der Spätherbst 2027 vorgesehen.

    Bewerben können sich alle deutschsprachigen altertumswissenschaftlichen Institute. Die Tagung sollte interdisziplinär ausgerichtet sein und die drei großen Disziplinen Klassische Philologie, Alte Geschichte und Klassische Archäologie berücksichtigen. Die Mommsen-Gesellschaft unterstützt die Tagung mit 3.000 Euro. Die Organisation der Tagung obliegt dem Veranstalter.

    Bewerbungen richten Sie bitte an die Erste Vorsitzende der Mommsen-Gesellschaft, Frau Prof. Dr. Katharina Wesselmann (katharina.wesselmann(at)uni-potsdam.de) mit Angabe des vorgesehenen Themas der Tagung, einem Abstract und einem Terminvorschlag.

    Weitere Hinweise finden Sie unter https://mommsen-gesellschaft.de/kleine-mommsen-tagung/

    Für Fragen steht Ihnen die Geschäftsstelle gern zur Verfügung (geschaeftsstelle(at)mommsen-gesellschaft.de)

    Bewerbungsschluss ist der 30. September 2026.

    Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung.

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  • Unsere neue Webseite

    Das Team der Mommsen-Gesellschaft freut sich, Ihnen unseren neuen Webauftritt zu präsentieren. Von der Optik her ändert sich wenig, damit Sie sich nicht umzugewöhnen brauchen. Nur die Startseite wurde zur besseren Übersicht neu strukturiert und um den Veranstaltungskalender erweitert.

    Unter den Menüs in der Kopfzeile haben wir etwas „aufgeräumt“ und klarer als bisher die Angebote der Mommsen-Gesellschaft herausgestellt. Unter dem Punkt „Unsere Angebote“ erwartet Sie das gesamte Spektrum unserer Veranstaltungen und Förderungen, unter „Unser Service“ finden Sie einerseits Anträge (z.B. auf Mitgliedschaft oder zum Abonnieren unserer Informationsangebote), andererseits Rubriken mit nützlichen Hinweisen (Dissertations- und Habilitationsverzeichnis, NFDI) und nicht zuletzt unser Archiv, das zum Blättern einlädt.

    Ganz neu stellen wir Ihnen einen Leitfaden für ein standardisiertes Forschungsdatenmanagement für die Altertumswissenschaften zur Verfügung, den Sie über den Button „Qualitätssicherung datenbasierter Forschung“ auf der Startseite unten erreichen.

    Angesichts der fortschreitenden digitalen Transformation auch in den klassischen Altertumswissenschaften ist eine systematische Qualitätssicherung im Bereich des datenbasierten Arbeitens notwendig. Um dieser Herausforderung zu begegnen, wurde ein Leitfaden entwickelt, der konkrete Empfehlungen für replizierbare Workflows und ein standardisiertes Forschungsdatenmanagement nach den FAIR-Prinzipien bietet. Ergänzend dazu bietet eine integrierte Protokollvorlage als praktische Hilfestellung ein Muster für standardisiertes und reproduzierbares Arbeiten, um die erzielten Ergebnisse systematisch in die fachwissenschaftliche Interpretation zu überführen.

    Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Erkunden unserer neuen Webseite. Uns ist bewusst, dass wir (noch) nicht alle Wünsche erfüllen können, aber wir arbeiten daran. Unser Hauptaugenmerk gilt einem internen Mitgliederbereich, der vor allem das lang vermisste Mitgliederverzeichnis enthalten wird.

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  • 18. Männliche Mobilität, weibliche Handlungsmacht

    Soziale Organisation und ökonomische Praxis an der Ostadriaküste
    in hellenistischer und römischer Zeit

    Rebecca Kreßner, Münster

    Liburner, Illyrer und Epiroten – wenn die griechischen und römischen Autoren vom 4. Jhd. v. Chr. bis in die römische Zeit hinein über diese Völkerschaften an der östlichen Adriaküste berichten, zeigen sie sich nicht selten erstaunt oder befremdet von dem, was sie sahen. Denn die dortigen Frauen waren für die Autoren ungewöhnlich präsent und tatkräftig, sie bewegten sich ungezwungen in ihrer Gesellschaft und sollen diese geradezu beherrscht haben. Die Männer wiederum begegnen in den Quellen überwiegend als Seefahrer und Seeräuber, Hirten oder Söldner – Tätigkeiten, mit denen sie für ihren Lebensunterhalt sorgten, für die sie jedoch in die Ferne ziehen mussten und daher für längere Zeit von ihren Familien abwesend waren. Hängt die prominente Position der Frauen mit diesem Umstand zusammen? Inwiefern bedingten sich Wirtschaftsweisen und soziale Strukturen der ostadriatischen Völkerschaften?

    Die Studie Männliche Mobilität, weibliche Handlungsmacht (Dissertationsschrift, Universität Trier) untersucht ebendiese Wechselwirkungen, denn die Liburner, Illyrer und Epiroten haben in wirtschafts-, sozial- und geschlechtergeschichtlicher Hinsicht einiges zu bieten: Nicht nur die antiken Autoren erwähnen die Frauen in ihren Werken, auch die erhaltenen Inschriften weisen eine hohe Präsenz von Frauen auf und zeigen sie in wichtigen Positionen in ihren Familien und als handlungsmächtige Akteurinnen bei verschiedenen Tätigkeiten in ökonomischen und rechtlichen Kontexten.

    Die Arbeit richtet mithin neben einer Darstellung der jeweiligen Lebenswelt der Liburner, Illyrer und Epiroten das Augenmerk besonders darauf, wie sich eine systematische – das heißt, eine regelmäßig und jeweils über längere Zeiträume stattfindende – Abwesenheit der Männer auf soziale Strukturen auswirkte.

    Auszugehen war von den folgenden Prämissen: Ohne die (körperlich fitten) Männer waren es die erwachsenen Frauen, die die hauptsächlichen Arbeitskräfte eines Haushaltes stellten und diesen in der Zwischenzeit am Leben erhalten mussten. Seefahrer, Söldner sowie Viehzüchter, die angesichts der von hohen und schroffen Gebirgszügen dominierten Landschaft der Ostadriaküste je nach Jahreszeit zwischen Weiden auf den verschiedenen Höhenlagen der Berge hin- und herwechselten, konnten nicht jeden Abend ihre erwirtschafteten Gewinne oder Beutestücke zu ihrer Familie bringen – die an der Wohnstatt bleibenden Familienmitglieder mussten durch eigene ökonomische Tätigkeit ihre Versorgung sicherstellen. Wenn die Frauen einer solchen nachgingen, mussten sie zugleich die Betreuung ihrer Kinder gewährleisten, wofür sie unterstützende Strukturen benötigten, etwa, indem sie mit weiteren Verwandten zusammenlebten, von denen ältere Personen diese Aufgabe – sowie weitere körperlich nicht zu anspruchsvolle – übernehmen konnten. Weiterhin müssen die Frauen eine gewisse Geschäftsfähigkeit besessen haben, um die Handlungsfähigkeit der Familie nach außen hin zu bewahren, auch dann, wenn den Männern unterwegs etwas zustoßen sollte.

    In der Tat weisen die literarischen und inschriftlichen Quellen einschlägige Anhaltspunkte auf, die die Frauen in genau diesen drei Bereichen der Arbeitskraft, der Haushaltsstruktur und der Geschäftsfähigkeit zeigen.

    M. Terentius Varro, der während eines Feldzuges wahrscheinlich persönlich vor Ort war, staunt über die schwer arbeitenden illyrischen und liburnischen Frauen, die er überall zu sehen bekam. Sklavinnen und Sklaven arbeiteten häufig an deren Seite und befanden sich oftmals im Besitz der Frauen oder der gesamten Familie. Die Bleitäfelchen aus dem Orakelheiligtum in Dodona zeigen Frauen, die wirtschaftliche Überlegungen anstellen, legen aber auch nahe, dass sich etliche Familien nicht nur auf ein Standbein verließen, um Einkommen zu erzielen, sondern für mehrere und parallel auszuübende Tätigkeiten offen waren.

    Was die Haushaltsstrukturen angeht, führen zahlreiche Grab- und Freilassungsinschriften Familien vor Augen, die nicht nur aus der Kernfamilie – Mutter, Vater, Kinder – bestanden, sondern auch Verwandte des erweiterten Familienkreises umfassten. Mitunter sind regelrechte ‚Patchworkfamilien‘ zu erkennen. Häufig weisen sie ein matrilokales Residenzmuster auf, das heißt, dass hier Männer nach ihrer Eheschließung zur Familie ihrer Ehefrau gezogen sind. Dieses Muster kommt auch dann vor, wenn eine Familie Söhne – und nicht ausschließlich Töchter – besaß, und ist folglich nicht als Notfallmechanismus bei fehlendem männlichen Nachwuchs zu verstehen, sondern stand in Wechselwirkung mit wirtschaftlichen Tätigkeiten, die bei männlicher Abwesenheit zu mehr auf Frauen bezogenen Strukturen führen konnten.

    Weiterhin zeigen die Quellen eine hohe Geschäftsfähigkeit der Frauen: Sie waren ohne Vormund besitz- und vermögensfähig, veräußerten Besitz, erbten und vererbten, schlossen Kauf- und Mietverträge ab oder bekamen ein Bürgerrecht (politeia) verliehen. Viele von ihnen besaßen eigene Sklavinnen und Sklaven und waren maßgeblich für die Gestaltung von Familiengrabsteinen und damit für die Repräsentation der Familie für die Nachwelt verantwortlich. Generell zeigt sich eine Sozialisierung, die Frauen auf eine mündige Rolle in der Gemeinschaft vorbereitete, die sie ausfüllen mussten, wenn ihre Männer häufig abwesend waren. Die Quellen zeigen: Die Familien an der antiken Ostadriaküste reagierten flexibel auf ihre jeweiligen Lebensumstände und entwickelten unterschiedliche Strategien, um ihnen zu begegnen. Da ökonomische Tätigkeiten immer auch praktisch durchführbar sein mussten, trugen soziale Strukturen dem Rechnung, und hier treten uns Frauen und ihr Wirken in entscheidender Weise entgegen. Denn mobile Wirtschaftsweisen wie Seefahrt, Viehzucht oder ein ‚hauptberufliches‘ Kriegerdasein, denen vor allem Männer nachgingen, waren häufig erst auf der Grundlage der Arbeit ihrer Frauen und sonstigen Angehörigen durchführbar, deren ökonomische Bedeutung nicht länger unterschätzt oder kleingeredet werden sollte. Dies gilt nicht nur für die Ostadriaküste, sondern dürfte sich auch auf weitere Regionen des antiken Mittelmeerraumes anwenden lassen.

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