Deutscher Altphilologenverband – Pressemitteilung vom 11. April 2026
Christian Löhr (Pressesprecher) – cloehr@NAVonline.de
Antike exempla et errores für uns heute – das Demokratie-Thema prägte
den Bundeskongress des Deutschen Altphilologenverbandes in Frankfurt
Rund 500 Lehrkräfte der Fächer Latein und Griechisch aus allen Bundesländern haben beim DAV-
Bundeskongress zur Frage der Bedeutung von Latein- und Griechisch-Unterricht für die politische
Bildung gearbeitet. Vom 7. bis 11. April 2026 ging es an der Frankfurter Goethe-Universität um den
Leitgedanken „Aus der Antike lernen für die Demokratie von heute und morgen – exempla et
errores“.
Die Hessische Landesregierung will gemäß Koalitionsvertrag „Schulen besonders fördern, die sich
der europäischen Mehrsprachigkeit – einschließlich der alten europäischen Kultursprachen Latein
und Griechisch – widmen“. Darauf wies Katja Sommer als DAV-Bundesvorsitzende hin und
verwies auch auf das Konzept zur Begabtenförderung in Mecklenburg-Vorpommern, wo das Fach
Altgriechisch an Schwerpunktschulen besonders gefördert wird. Mit dem Humanismuspreis des
DAV wurde die „berühmteste Althistorikerin der Welt“ (so die FAZ 2025), die britische
Altertumswissenschaftlerin und Publizistin Mary Beard, geehrt. Mit drei Ad-Astra-Preisen des
DAV wurden junge Lehrkräfte prämiert für besondere Unterrichtskonzepte der Einbeziehung von
griechischer Musik, von modernen Graffiti und von KI. Die öffentliche Podiumsdiskussion zum
Kongress-Thema zeigte, dass wir die antiken Denkkonzepte und Erfahrungen modellhaft zum
Vergleich nutzen können, um in gegenwärtigen Krisen gute Entscheidungen treffen zu können.
Die Antike als Reflexionsraum für politische und gesellschaftliche Fragen unserer Gegenwart war
Thema in rund 75 Fachvorträgen und Arbeitskreisen des Kongresses. Der griechische Historiker
Herodot beschreibt, wie Griechen und Perser u.a. bei der Schlacht von Marathon zu überlegten
Entscheidungen kamen. Der Dichter Homer erzählt in seinem Epos über den Trojanischen Krieg
von Zorn und humanem Mitgefühl, wenn er den Griechen Achilleus charakterisiert, und warnt mit
sezierenden Schlachtbeschreibungen vor Krieg und dessen traumatisierenden Folgen. Neuere
Forschungen in Archäologie und Alte Geschichte zeigen etwa am Beispiel der vielfachen Facetten
weiblicher Partizipation in der Antike, wie sehr weit verbreitete heutige Vorstellungen revidiert
werden müssen. Bei der Darstellung der römischen Kaiser in den Biographien des römischen
Autors Sueton sehen wir, wie politisch auch scheinbar nur Privates gedeutet wird.
Die epochalen Auswirkungen von generativen Schreibprogrammen, also „künstlicher Intelligenz“,
auf unsere Gesellschaft prägten viele Diskussionen des DAV-Kongresses. Wird durch die KI der
Status des Menschen als Mensch in Frage gestellt? Wie kann das Dilemma von
Arbeitserleichterung versus Deskilling gelöst werden? Werden wir uns künstlichen Algorithmen
ergeben oder unsere besonderen Merkmale als Menschen, selbstständiges Denken und Empathie,
bewahren? Befinden wir uns in einer Krise des Humanen? Der Leitgedanke des Humanismus
reagierte mit Erasmus von Rotterdam, Wilhelm von Humboldt und dem sogenannten dritten
Humanismus während der Weimarer Republik (Werner Jaeger) auf gesellschaftliche Krisen.
Mittels des Logos, dem griechischen Begriff für menschliche Vernunft und Sprache, ging es den
Humanisten immer darum, das Denken als besondere Fähigkeit des Menschen möglichst
umfassend auszubilden. Somit ergibt sich gemäß dem Satz des Schulpädagogen Klaus Zierer das
Paradoxon: „Die Stärke der digitalen Welt steht auf den Schultern der analogen Welt.“
Latein und Griechisch profitieren in Wissenschaft und Unterricht, so in der Papyrologie, erheblich
von KI. Den Gefahren von KI kann der in erster Linie analoge altsprachliche Unterricht
wirkungsvoll begegnen. Somit dürften diese Schulfächer, die für Sprachbildung und selbstständig
kritisches Denken stehen, in Zukunft für unsere Demokratie weiter an Wichtigkeit gewinnen.
Deutscher Altphilologenverband www.altphilologenverband.de
P.S.:
Link für die ausführliche Begleitbroschüre mit dem Kongressprogramm: www.altphilologenverband.de (bitte scrollen bis => „Bundeskongress 2026“ => „Das Programm finden Sie hier“).
