25.- 27.02.2026
von Hannah Brandenburg, Marieke Fleck, Sophia Häberle, Samantha Philips
Die Konferenz, organisiert von Hannah Brandenburg (Potsdam), Marieke Fleck (Berlin, HU), Sophia Häberle (Berlin, HU) und Samantha Philips (Kiel), brachte über 50 Wissenschaftler*innen aller Karrierestufen aus dem deutschsprachigen Raum und darüber hinaus vom 25. bis 27. März 2026 an der Universität Potsdam zusammen. Das Programm von Vorträgen und Pitches, in denen die Referentinnen* Forschungsprojekte aus der ganzen Bandbreite der Klassischen Philologie vorstellten, wurde ergänzt durch Workshops, eine Podiumsdiskussion, einen Empfang und eine Führung durch den Schlosspark Sanssouci.
Wie schon auf der Vorgängertagung in Marburg 2025, mit der Henrike Arnold (Marburg), Laura Bottenberg (Tübingen), Mareike Ehlert (Osnabrück, jetzt Berlin, HU), Paula Neumann (Marburg), Saskia Schomber (München, LMU) und Lisa-Marei Stalp (Gießen) den Grundstein für das Netzwerk gelegt hatten, standen neben dem fachlichen Input der Austausch von Erfahrungen, die Diskussion spezifischer Herausforderungen für Frauen* in wissenschaftlichen Karrieren und das gegenseitige Kennenlernen im Fokus. Dies entspricht dem Ziel des Netzwerks, für klassische Philologinnen* aller Karrierestufen zugleich eine Plattform zur Vernetzung und einen konstruktiven Rahmen für wissenschaftlichen Austausch zu bieten. Auch 2027 wird es eine Tagung des Frauen*netzwerks geben, Gastgeberin wird die Ludwig-Maximilians-Universität München sein.
Eröffnet wurde die Potsdamer Tagung von Katharina Wesselmann (Potsdam) und Nicola Hömke (Rostock) als Vertreterin für die Mommsen-Gesellschaft. Beide zeigten sich erfreut über die Nachhaltigkeit der Initiative und die breite Beteiligung, wiesen aber auch auf die bestehenden geschlechtsspezifischen Benachteiligungen und Herausforderungen an Frauen* in der Wissenschaft und speziell in der Klassischen Philologie hin, die eine Fortsetzung der Vernetzung, des Austauschs und der aktiven Förderung von Frauen* nötig machten.
Im Anschluss stellten die Referentinnen* des ersten Panels, das besonders Themen mit Gender-Bezug gewidmet war, ihre Forschung vor: Judith Adam (Jena): Das seelische Gender: Proklos’ Timaeus-Interpretation, Giulia Colli (Heidelberg): Der Begriff der Angemessenheit zwischen Ethik und Ästhetik in Aristarchs Homerkritik, Elisabeth Scharkin (Tübingen): Kassandra zwischen Tragödie und Epik: Prophetie und Ohnmacht in römischer Literatur; und Elisa Immler (Konstanz), ‚Medea fiam‘. Die Genese der Katastrophe in Senecas ‚Medea‘ unter Berücksichtigung der ‚De ira‘. Am Abend begeisterte Regina Höschele (München, LMU) die Anwesenden durch ihre Keynote „Oh, du glückseliger Speer! Waffen, Lust und Sex in Nonnos‘ Dionysiaka“, in der sie so überzeugend wie kurzweilig darlegte, wie Nonnos in Anschluss an Ovid und andere Vorgänger den Topos verarbeitet, dass ein Liebender den Wunsch ausspricht ein Gegenstand in Händen der Person seines Begehrens zu sein.
Im Anschluss bot ein Empfang Gelegenheit, in entspannter Stimmung Bekanntschaften aus der ersten Tagung zu erneuern und neue Kontakte zu knüpfen.
Am Donnerstag wurde das abwechslungsreiche Programm fortgesetzt, zunächst mit zwei weiteren Vorträgen mit Gender-Schwerpunkt: Selina Zegowitz (Jena) sprach zu Multiple Imitation in Claudians De raptu Proserpinae: Zur Figurendarstellung Proserpinas und Julia Heideklang (Tübingen) präsentierte Weibliche Akteure und die Übersetzung frühneuzeitlicher Literatur ins Lateinische am Beispiel von Fulvia Olympia Moratas Boccaccio-Teilübersetzungen.
Anschließend teilte sich das Plenum auf, um einen der beiden Workshops zu besuchen: Lena Eckert vom Netzwerk Mutterschaft & Wissenschaft führte ins Thema „Kinder, Gender Care Gap und Wissenschaft“ ein. Im Rahmen eines Roundtables gaben Laura Carrara (Pisa/Greifswald, Alfred Krupp-Wissenschaftskolleg), Lisa Cordes (Berlin, HU) und Katharina Wesselmann (Potsdam) ihr Wissen und ihre Erfahrungen zum wissenschaftlichen Publizieren in allen Formen, nationalen Fachkulturen und Karrierestufen weiter.
Somit bot die Netzwerktagung auch wieder ein Forum für die Diskussion struktureller Herausforderungen für Frauen* in den Altertumswissenschaften.
Nach der Mittagspause lauschten wir wiederum in zwei Gruppen aufgeteilt der ersten Runde von Projekt-Pitches, einem Format, das sich bereits auf der ersten Tagung bewährt hatte. Dabei stellten Referentinnen* ihre Projekte in frühen Entwicklungsphasen kurz vor, um in offener Diskussion Rückmeldungen und Ideen zu erhalten. Es präsentierten: Susanna Fischer (München, LMU): Digital Itineraries: spatio-temporale Annotation in Vergils Aeneis, Christina Schulz (Heidelberg): Skalierung und ästhetische Reflexion bei Apollonios Rhodios, Alena Maaß (Kiel): Entwicklung und Vermittlung antiken astronomischen Wissens: Das Werk des Aristarch von Samos und seine Scholien, Cynthia Bruhn (Zürich, UZH): Anonymität und religiöses Wissen, Nora Steigerwald (Tübingen): Bedrohung erzählen in den Res Gestae des Ammianus Marcellinus und Anna Demeter (Berlin, HU): Strafe vs. Rache? Furia und Atreus in Senecas Thyestes. Es folgte ein weiteres Panel mit Vorträgen: Estella Kessler (Harvard, CHS), Die Kallimacheische Krähe und ihre Verwechslung mit dem Raben, Ilaria Pinzo (Heidelberg): Stein werden. Eine Neulektüre der ovidischen Lithomorphosen durch die Schriften Italo Calvinos und Giulia Dovico (Leiden/Groningen): Sprachliche Bilder in der antiken Literaturkritik.
Nach diesem abwechslungsreichen und intensiven Konferenztag machte sich die Gruppe im Abendlicht auf einen Spaziergang durch den spektakulären Schlosspark Sanssouci, wo Sara Chiarini, Alexandra Forst, Julia Genschow und Katharina Wesselmann verschiedene Highlights mit Antikenbezug wie die Statuen am Neuen Palais, den Freundschaftstempel, das Schloss Charlottenhof mitsamt dem Grabstein der Veia Acme und das Hippodrom vorstellten, bevor der Abend beim Conference Dinner ausklang.
Der Freitag begann mit einem Workshop zur Zukunft des Netzwerks, teils in thematischen Arbeitsgruppen. Es besteht großes Interesse an der Fortführung und Verstetigung des Netzwerks. Der Aufbau einer Website, die zum Teilen von Informationen und Ressourcen zum Thema Frauen* in der Klassischen Philologie, Ansprechpartnerinnen*, Veranstaltungen und Berichten dient, wird zeitnah in Angriff genommen. Ergänzend zur bereits bestehenden Mailing-Liste werden weitere Foren zum digitalen Austausch geprüft und angelegt. Ein Team von Organisatorinnen* für die nächste Konferenz in München hat sich gebildet. Darüber hinaus werden weitere digitale Formate wie ein Zoom-Schreibcafé und thematische Veranstaltungen mit Expert*innen zu Themen der Karriereentwicklung und des Wissenschaftsbetriebs initiiert.
Im Anschluss ging es in die zweite Runde der Project-Pitches in zwei Gruppen, bei denen Saskia Schomber (München): Ancient Erotic Narratives and Embodied Readings: Das Beispiel von Lukians Erotes, Chiara Telesca (Innsbruck): Thinking Greek Continuity before Historicism: K.B. Hase and J.-B-G. d’Ansse de Villoison, Daria Kohler (Leuven): Die lyrischen Metren im griechischen Drama: Textkritik und digitale Geisteswissenschaften, Tina Herrmann (Wien): Die Rezeption der Antike in den De orbe novo decades des Pietro Martire dʼAnghiera und Irene Di Gioia (Kiel): Tier-Mensch-Spiel als Ort für animal agency in der griechisch-römischen Antike ihre neuen Projekte zur Diskussion stellten.
Ein letzter Vortragsblock im Plenum rundete die Tagung ab, bestritten von Alessia Borriello (Rom, Tor Vergata): Verlorene Anthologien: Antike Handschriften griechischer Epigramme in den Händen der Humanisten, Katharina Angelberger (Heidelberg): Espèces d’espace(s) – Zu einer Politik des poetischen Raums in Properz 4,6 und Jessica Tasselli (Berlin, BBAW): Göttliche Inspiration oder téchne? Platons Ion und die hellenistische Dichtung.
Die spontanen Rückmeldungen der Teilnehmerinnen* fielen durchweg positiv aus und hoben besonders die freundliche, zugewandte Diskussionsatmosphäre, die Offenheit des Austauschs über Statusgruppen hinweg und die konstruktive Perspektive auf zukünftige Aktivitäten hervor. Dies gibt dem Netzwerk die Bestätigung, dass sowohl die nächste Tagung als auch weitere Aktivitäten eine Bereicherung für die Klassische Philologie im deutschsprachigen Raum sein werden.
Großzügige finanzielle Unterstützung erhielt unsere Tagung von Seiten der Universität Potsdam durch die Zentrale Forschungsförderung, die Kommission für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Philosophischen Fakultät, die Potsdam Graduate School, das Koordinationsbüro für Chancengleichheit und den Lehrstuhl für Klassische Philologie, zudem durch das Collegium Philosophicum der Universität Kiel und durch die Mommsen-Gesellschaft. Für die Unterstützung, ohne die diese Tagung nicht hätte stattfinden können, sei allen Geldgeber*innen herzlichst gedankt! Ebenso danken die Organisatorinnen* Ulrike Zieger, Julia Genschow, Hendrik Hamecher, Jacob Werblow und Tom Dera für ihre wertvolle und zupackende Unterstützung.
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Kontakt zum Frauen*netzwerk in der Klassischen Philologie: frauenvernetzungkph@posteo.de
Mailing-Liste: https://lists.lrz.de/mailman3/lists/frauen.netzwerk.kph.lists.lrz.de/ Programm und Photos der Potsdamer Tagung: https://www.uni-potsdam.de/de/klassphil/veranstaltungen/2-tagung-des-frauennetzwerks-in-der-klassischen-philologie

