Call for Papers | Universität Salzburg | 19./20. Februar 2027
Il passato presente. Culture storico-politiche nell’Italia del I millennio a.C.
Making the Past Present: Historical and Political Cultures of First-Millennium-BCE Italy
Willkommen sind Beiträge, die sich mit den historisch-politischen Kulturen Italiens im 1. Jahrtausend v. Chr.
befassen und theoretisch-methodische Reflexionen mit konkreten Fallstudien verknüpfen. Der Call for Papers
richtet sich sowohl an Nachwuchswissenschaftler:innen als auch an erfahrene Kolleg:innen.
Deadline: 31. Oktober 2026 | Abstract: 200–300 Wörter | Beiträge: 20 Min. Vortrag, 15 Min. Diskussion
Kontakt: present.past.conference@gmail.com
Wie erinnern politische Gemein-
schaften an ihre Vergangenheit –
und was entscheiden sie zu ver-
gessen? Welche Rollen spielen
historische Narrative, Rituale,
Bilder, Monumente und Räume bei
der Entstehung und Stabilisierung
sozialer und politischer Ordnungen?
Das 25. Treffen der dArV-Arbeits-
gemeinschaft ‘Etrusker und Italiker‘
widmet sich den Verflechtungen von
Erinnerung und Politik im Italien
des 1. Jahrtausends v. Chr. Der Blick
richtet sich auf die italischen und
etruskischen Gemeinschaften eben-
so wie auf die Magna Graecia und
reicht bis in die republikanische Zeit.
Die Tagung untersucht die vielfältigen
Spuren, die Praktiken des Erinnerns,
Vergessens und Umdeutens von
Vergangenheit in Literatur, materieller
Kultur, Topographie, Epigraphik und
Bilderwelten hinterlassen haben.
Die Tagung geht davon aus, dass
historische und politische Kulturen
nicht voneinander zu trennen sind:
Politische Gemeinschaften entstehen,
legitimieren und verändern sich durch
die Vergegenwärtigung von
Vergangenheit. Umgekehrt gewinnen
historische Narrative durch Rituale,
Performanzen, Institutionen,
symbolische und materielle
Arrangements politische Wirksamkeit.
Gesucht werden Beiträge, die
Ansätze der Memory Studies, der
politischen Anthropologie und der
Archäologie miteinander verbinden
und insbesondere für Gesellschaf-
ten ohne oder mit begrenzter
schriftlicher Überlieferung fruchtbar
machen. Zugleich soll die politische
Kultur des republikanischen Rom
mit ihren ausgeprägten Erinnerungs-
räumen und Vergangenheitsbezügen
in ein breiteres Panorama
historisch-politischer Kulturen
Italiens eingeordnet werden.
Ein erster Themenbereich befasst
sich mit Vergangenheit als poli-
tischer Ressource. Wie wurden
Erinnerungen an Ursprünge, Migra-
tionen, Kriege oder Bündnisse
politisch mobilisiert? Welche Rolle
spielten Herkunftserzählungen,
Genealogien und Familien-
geschichten bei der Legitimation von
Macht, Prestige, Status und
Konkurrenzrollen? Wer verfügte über
das Recht, Vergangenheit zu
erzählen, und wie wurden konkur-
rierende oder gegensätzliche Erin-
nerungen ausgehandelt? Inwiefern
trugen historische Narrative zur
Konstruktion familiärer, aber auch
lokaler, regionaler und ethnischer
Identitäten bei und wie positio-
nierten sich diese Erinnerungs-
gemeinschaften auf unterschied-
lichen sozialen und räumlichen
Maßstabsebenen zueinander?
Daran anschließend richtet sich der
Blick auf historische Kultur als-
Medium politischer Integration.
Wie erzeugten Gemeinschaften
politische Kohärenz durch gemein-
same Vorstellungen der Vergangen-
heit? Welche Rolle spielten Heilig-
tümer, Kultgemeinschaften und
andere Orte gemeinsamer
Erinnerung für die Ausbildung
überlokaler Bindungen? Wie wurden
lokale Erinnerungen auf die Ebene
von Regionen, Ethnien oder poli-
tischen Verbänden übertragen? Wie
veränderten sich solche Prozesse
unter den Bedingungen zuneh-
mender Mobilität, in interkulturellen
Kontaktzonen und unter dem Druck
der römischen Expansion?
Ein weiterer Schwerpunkt gilt den
Praktiken und Räumen, in denen
Vergangenheit hergestellt, inszeniert
und verhandelt und damit politisch
in Wert gesetzt wurde. Wie machten
politische Versammlungen, Rituale,
Prozessionen und Feste Vergangen-
heit öffentlich sichtbar? Wie wurden
Genealogien, vergangene Leistun-
gen oder kollektive Erinnerungen
performativ, visuell und materiell
inszeniert? Welche Rolle spielten
Heiligtümer, Nekropolen, Versamm-
lungsorte oder Stadträume als
Bühnen politischer Erinnerung und
als ‚memoryscapes‘? Wie wirkten
Monumentalisierungen, Wiederver-
wendungen, Waffenweihungen oder
Beutedenkmäler an der Produktion
historischer Bedeutung mit?
Schließlich sollen Prozesse des
Vergessens, Auslöschens und Um–
deutens in den Blick genommen wer-
den. Welche Ereignisse, Gruppen oder
Traditionen wurden aus Erinnerungs-
gemeinschaften ausgeschlossen?
Welche Strategien des Vergessens
lassen sich archäologisch beobach-
ten, etwa die Aufgabe von Monumen-
ten, die Tilgung von Inschriften, die
Obliteration von Sakralorten oder die
Verlagerung von Siedlungsplätzen?
Besonderes Interesse gilt Mechanis-
men, mit denen Gemeinschaften
politische Umbrüche bewältigten,
Vergangenheit neu ordneten und
historische Deutungen veränderten.
Matthias Hoernes und Alexander Sokolicek
Universität Salzburg
Raffaella Da Vela und Robinson Krämer
Sprecher*in der AG Etrusker & Italiker dArV
