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Bedrohung erzählen in den Res Gestae des Ammianus Marcellinus

Dissertation von Nora Steigerwald, gemeldet am 13.04.2026

Eberhard Karls Universität Tübingen, Philologisches Seminar

Das Dissertationsvorhaben mit dem Arbeitstitel „Bedrohung erzählen in den Res Gestae des Ammianus Marcellinus“ setzt sich zum Ziel, das Werk dieses spätantiken Historiographen, welches von der literaturwissenschaftlich arbeitenden Latinistik bislang kaum beachtet worden ist, einer narratologischen Analyse zu unterziehen, um neue Erkenntnisse über Werk und Autor zu gewinnen. Im Zentrum soll dabei die Frage stehen, wie Ammian, der in einer Zeit lebte und schrieb, die von ihm selbst und vielen seiner Zeitgenossen als überaus bedrohlich und krisenhaft empfunden worden ist, diese Bedrohung in seiner historischen Darstellung mit narrativen Mitteln konstruiert und dem Rezipienten vor Augen stellt. Damit leistet das Projekt einen über die Altertumswissenschaften hinausreichenden Beitrag zum besseren Verständnis dessen, was aus einer Erzählung, die jeder Erinnerung an und Deutung von Welterfahrung zugrundeliegt, eine Bedrohungserzählung macht. Auf Basis dieses Begriffsfeldes trägt es auf einer theoretischen Ebene auch zur Entwicklung einer Narratologie der Krise bei, die noch immer ein Desiderat der Erzählforschung darstellt. Auf diese Weise ist es zudem an den gegenwärtigen Trend in der Krisenforschung anschlussfähig, Krisen als Interpretations- und Wahrnehmungsprodukt zu begreifen und ihre Konstruktion im kommunikativen Prozess zu untersuchen.