Details

Kaiser Maiorian, der Zusammenbruch ravennatischer Autorität und die Fortführung römischer Herrschaft in den ‚barbarischen‘ Nachfolgestaaten Westroms

Dissertation von Julian Kaltwasser, gemeldet am 16.04.2026

Universität des Saarlandes, Institut für Alte Geschichte

Wurde Kaiser Maiorian bereits von Edward Gibbon als „großer heroischer Charakter, wie er manchmal in einer Zeit des Verfalls auftritt, um die Ehre des menschlichen Geschlechts zu retten“, charakterisiert, so wandelte sich dieses zweifellos zu positive Bild in den folgenden Jahrhunderten zu einem ausgesprochen negativen Urteil um. Maiorian wurde zum ersten von mehreren „Schattenkaisern“ des magister militum und patricius Flavius Ricimer degradiert. Das Promotionsvorhaben sucht diese beiden verzerrten Bilder zu korrigieren und ein ausgewogenes Bild eines Kaisers zu erarbeiten, der mit seiner Flotten- und Eroberungspolitik sowie einer Gesundung der Staatsfinanzen den vielversprechenden Versuch unternahm, die Autorität Ravennas im Westreich wieder zu etablieren. So sollte er keineswegs als eine „dorile puppet“ (O´Flynn 1983, 106) betitelt werden. Zu seinen Leistungen zählte nicht zuletzt die Rückeroberung Galliens und Spaniens, mit der er die Provinzen, die zwischenzeitlich der Rebellion anheimgefallen waren, mitsamt den bereits dort siedelnden germanischen Stämmen dem Westreich wieder unterordnete. Mit der Hinrichtung Maiorians begann die eigentliche Vormacht der Heermeister über Westrom. Jetzt erst spalteten sich die gerade wieder eroberten Provinzen dauerhaft von der zentralen Herrschaft ab. Die Untersuchung sucht so das nach wie vor unklare Bild des Unterganges Westroms neu zu ordnen und gleichzeitig aufzuzeigen, dass die Desintegration des Westens mit der Ermordung Maiorians begann.