Meldungen aus den Altertumswissenschaften

  • 4. Community Meeting von NFDI4Objects

    Am Freitag, den 12. Juni 2026, findet von 10:00 bis 13:30 Uhr das 4. Community Meeting von NFDI4Objects als virtuelles Event via Zoom statt. Das Community Meeting bietet sowohl Interessierten, die NFDI4Objects kennenlernen möchten, als auch Mitgliedern und fachlich Interessierten der Community vielfältige Einblicke in die aktuelle Arbeit des Konsortiums.

    Über folgenden Zoom-Link können Sie am virtuellen Event teilnehmen:

    Time: Jun 12, 2026 10:00 AM Amsterdam, Berlin, Rome, Stockholm, Vienna

    Join Zoom Meeting: https://dainst-org.zoom.us/j/93819211467?pwd=f1OGkk8UyFUMVMSTdWwI9n2r1bBF7F.1

    Meeting ID: 938 1921 1467

    Passcode: 549963

    Das finale Programm finden Sie im Anhang.

    Weitere Informationen finden Sie auch unter: https://www.nfdi4objects.net/events/n40_activity_20260612-CM2026/

  • LEIZA Journal of Archaeology (LJA) is a new double-blind peer-reviewed English-language journal of world archaeology

    that will soon launch at the Leibniz-Zentrum für Archäologie.

    LJA will deal with the understanding of humans and their biological, social, cultural and economic development from palaeolithic till medieval times, covering Europe, Africa and Asia from roughly the 25th northern latitude upwards. This has been the chronological and geographical focus of LEIZA since its establishment as the Römisch-Germanisches ZentralMuseum (RGZM) in 1852.  LJA will be dedicated to publishing discipline-changing and agenda-setting output that is able to shape contemporary debates and advance the field of world archaeology. As such, we aim to build an innovative, interdisciplinary and inclusive platform for high-level scholarship that transcends regional, chronological and methodological boundaries in archaeology, able to enlighten the past, inform the present and shape the future.

    The journal is now open for submission, and prospective authors are invited to contact the Managing Editor dimitri.vanlimbergen(at)leiza.de for any questions prior to submission. 

    Proposals can be submitted at all times at leizajournalofarchaeology(at)leiza.de or lja(at)leiza.de.
     

  • Master of Arts in Digital Cultural Heritage an der LMU

    ‘Are you passionate about cultural heritage and eager to explore how digital innovation is transforming the humanities?‘

    LMU Munich’s Institute for Digital Cultural Heritage Studies proudly announces the launch of its pioneering Master of Arts in Digital Cultural Heritage.

    We welcome applicants who are interdisciplinary thinkers with a strong interest in cultural heritage, digital and geospatial technology, and computational methods. Prior experience in these fields is advantageous but not mandatory. High proficiency in English (C1) is required; knowledge of German is helpful but not essential.

    Want to learn more?Find more info on our website at https://www.kw.lmu.de/dch/en/study/master-digital-cultural-heritage/

  • Studiengang für Konservierung und Restaurierung/ Grabungstechnik in Berlin bleibt erhalten

    Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    liebe Mitglieder,

    wir freuen uns Ihnen positive Nachrichten aus Berlin zu übersenden. Der Studiengang KRG bleibt!

    Nachdem dem Studiengang für Konservierung und Restaurierung/ Grabungstechnik an der HTW Berlin die Schließung drohte, hat der  Akademische Senat der HTW Berlin am 13. April den Antrag zur Schließung abgelehnt.

    Zum Wintersemester 2026/27 sind also weiterhin Bewerbungen möglich.

    Zur offizielle Pressemitteilung der HTW Berlin:
    https://www.htw-berlin.de/index.php?id=16238

    Es freut uns sehr, dass der Protest und der mediale Aufschrei sowie die Protestschreiben – an denen sich auch der dArV beteiligt hatte – erfolgreich waren und Wirkung gezeigt haben.

    Mit besten Grüßen

    i. A. 

    Franziska Lehmann

    ______


    darv-geschaeftsstelle@darv.de

    Deutscher Archäologen-Verband e. V. (dArV e.V.)

    Geschäftsstelle

    Franziska Lehmann

  • Aus der Antike lernen für die Demokratie von heute und morgen – exempla et errores

    Deutscher Altphilologenverband – Pressemitteilung vom 11. April 2026
    Christian Löhr (Pressesprecher) – cloehr@NAVonline.de


    Antike exempla et errores für uns heute – das Demokratie-Thema prägte
    den Bundeskongress des Deutschen Altphilologenverbandes in Frankfurt


    Rund 500 Lehrkräfte der Fächer Latein und Griechisch aus allen Bundesländern haben beim DAV-
    Bundeskongress zur Frage der Bedeutung von Latein- und Griechisch-Unterricht für die politische
    Bildung gearbeitet. Vom 7. bis 11. April 2026 ging es an der Frankfurter Goethe-Universität um den
    Leitgedanken „Aus der Antike lernen für die Demokratie von heute und morgen – exempla et
    errores“.


    Die Hessische Landesregierung will gemäß Koalitionsvertrag „Schulen besonders fördern, die sich
    der europäischen Mehrsprachigkeit – einschließlich der alten europäischen Kultursprachen Latein
    und Griechisch – widmen“. Darauf wies Katja Sommer als DAV-Bundesvorsitzende hin und
    verwies auch auf das Konzept zur Begabtenförderung in Mecklenburg-Vorpommern, wo das Fach
    Altgriechisch an Schwerpunktschulen besonders gefördert wird. Mit dem Humanismuspreis des
    DAV wurde die „berühmteste Althistorikerin der Welt“ (so die FAZ 2025), die britische
    Altertumswissenschaftlerin und Publizistin Mary Beard, geehrt. Mit drei Ad-Astra-Preisen des
    DAV wurden junge Lehrkräfte prämiert für besondere Unterrichtskonzepte der Einbeziehung von
    griechischer Musik, von modernen Graffiti und von KI. Die öffentliche Podiumsdiskussion zum
    Kongress-Thema zeigte, dass wir die antiken Denkkonzepte und Erfahrungen modellhaft zum
    Vergleich nutzen können, um in gegenwärtigen Krisen gute Entscheidungen treffen zu können.


    Die Antike als Reflexionsraum für politische und gesellschaftliche Fragen unserer Gegenwart war
    Thema in rund 75 Fachvorträgen und Arbeitskreisen des Kongresses. Der griechische Historiker
    Herodot beschreibt, wie Griechen und Perser u.a. bei der Schlacht von Marathon zu überlegten
    Entscheidungen kamen. Der Dichter Homer erzählt in seinem Epos über den Trojanischen Krieg
    von Zorn und humanem Mitgefühl, wenn er den Griechen Achilleus charakterisiert, und warnt mit
    sezierenden Schlachtbeschreibungen vor Krieg und dessen traumatisierenden Folgen. Neuere
    Forschungen in Archäologie und Alte Geschichte zeigen etwa am Beispiel der vielfachen Facetten
    weiblicher Partizipation in der Antike, wie sehr weit verbreitete heutige Vorstellungen revidiert
    werden müssen. Bei der Darstellung der römischen Kaiser in den Biographien des römischen
    Autors Sueton sehen wir, wie politisch auch scheinbar nur Privates gedeutet wird.


    Die epochalen Auswirkungen von generativen Schreibprogrammen, also „künstlicher Intelligenz“,
    auf unsere Gesellschaft prägten viele Diskussionen des DAV-Kongresses. Wird durch die KI der
    Status des Menschen als Mensch in Frage gestellt? Wie kann das Dilemma von
    Arbeitserleichterung versus Deskilling gelöst werden? Werden wir uns künstlichen Algorithmen
    ergeben oder unsere besonderen Merkmale als Menschen, selbstständiges Denken und Empathie,
    bewahren? Befinden wir uns in einer Krise des Humanen? Der Leitgedanke des Humanismus
    reagierte mit Erasmus von Rotterdam, Wilhelm von Humboldt und dem sogenannten dritten
    Humanismus während der Weimarer Republik (Werner Jaeger) auf gesellschaftliche Krisen.
    Mittels des Logos, dem griechischen Begriff für menschliche Vernunft und Sprache, ging es den
    Humanisten immer darum, das Denken als besondere Fähigkeit des Menschen möglichst
    umfassend auszubilden. Somit ergibt sich gemäß dem Satz des Schulpädagogen Klaus Zierer das
    Paradoxon: „Die Stärke der digitalen Welt steht auf den Schultern der analogen Welt.“


    Latein und Griechisch profitieren in Wissenschaft und Unterricht, so in der Papyrologie, erheblich
    von KI. Den Gefahren von KI kann der in erster Linie analoge altsprachliche Unterricht
    wirkungsvoll begegnen. Somit dürften diese Schulfächer, die für Sprachbildung und selbstständig
    kritisches Denken stehen, in Zukunft für unsere Demokratie weiter an Wichtigkeit gewinnen.
    Deutscher Altphilologenverband www.altphilologenverband.de

    P.S.: 
    Link für die ausführliche Begleitbroschüre mit dem Kongressprogramm: www.altphilologenverband.de (bitte scrollen bis => „Bundeskongress 2026“ => „Das Programm finden Sie hier“).

  • Erasmus+ traineeships 2026/27 – University of Bologna

    The University of Bologna has opened the “Erasmus + Student Mobility for traineeships 2026/27” call for its students looking for internships in European countries. Students will receive a grant so there are no costs for hosting companies and organizations (see details).
    Mobilitas is the University of Bologna dedicated free service to facilitate the matching between European companies and students for training and working experiences.
    If your company/organization is interested in hosting trainees please fill the FORM and submit it as soon as possible. Your vacancy will be sent to students eventually matching the profile.
    Traineeships can be financed from 2 to 6 months and can start between 1st of September 2026 and 31th of July 2027. Students are free to apply among the vacancies proposed and then apply to University’s call within the deadline (12th of May 2026).
    For any further information, please email to mobilitas@uniser.net.
    Looking forward to hearing from you.
    Best regards,
    Mobilitas staff www.mobilitasonline.net
  • Bericht zur 2. Tagung des Frauen*netzwerks in der Klassischen Philologie „καὶ κράτος νέμοι γυναιξίν (Aisch. Suppl. 1068f.)“

    25.- 27.02.2026

    von Hannah Brandenburg, Marieke Fleck, Sophia Häberle, Samantha Philips

    Die Konferenz, organisiert von Hannah Brandenburg (Potsdam), Marieke Fleck (Berlin, HU), Sophia Häberle (Berlin, HU) und Samantha Philips (Kiel), brachte über 50 Wissenschaftler*innen aller Karrierestufen aus dem deutschsprachigen Raum und darüber hinaus vom 25. bis 27. März 2026 an der Universität Potsdam zusammen. Das Programm von Vorträgen und Pitches, in denen die Referentinnen* Forschungsprojekte aus der ganzen Bandbreite der Klassischen Philologie vorstellten, wurde ergänzt durch Workshops, eine Podiumsdiskussion, einen Empfang und eine Führung durch den Schlosspark Sanssouci.

    Wie schon auf der Vorgängertagung in Marburg 2025, mit der Henrike Arnold (Marburg), Laura Bottenberg (Tübingen), Mareike Ehlert (Osnabrück, jetzt Berlin, HU), Paula Neumann (Marburg), Saskia Schomber (München, LMU) und Lisa-Marei Stalp (Gießen) den Grundstein für das Netzwerk gelegt hatten, standen neben dem fachlichen Input der Austausch von Erfahrungen, die Diskussion spezifischer Herausforderungen für Frauen* in wissenschaftlichen Karrieren und das gegenseitige Kennenlernen im Fokus. Dies entspricht dem Ziel des Netzwerks, für klassische Philologinnen* aller Karrierestufen zugleich eine Plattform zur Vernetzung und einen konstruktiven Rahmen für wissenschaftlichen Austausch zu bieten. Auch 2027 wird es eine Tagung des Frauen*netzwerks geben, Gastgeberin wird die Ludwig-Maximilians-Universität München sein.

    Eröffnet wurde die Potsdamer Tagung von Katharina Wesselmann (Potsdam) und Nicola Hömke (Rostock) als Vertreterin für die Mommsen-Gesellschaft. Beide zeigten sich erfreut über die Nachhaltigkeit der Initiative und die breite Beteiligung, wiesen aber auch auf die bestehenden geschlechtsspezifischen Benachteiligungen und Herausforderungen an Frauen* in der Wissenschaft und speziell in der Klassischen Philologie hin, die eine Fortsetzung der Vernetzung, des Austauschs und der aktiven Förderung von Frauen* nötig machten.

    Im Anschluss stellten die Referentinnen* des ersten Panels, das besonders Themen mit Gender-Bezug gewidmet war, ihre Forschung vor: Judith Adam (Jena): Das seelische Gender: Proklos’ Timaeus-Interpretation, Giulia Colli (Heidelberg): Der Begriff der Angemessenheit zwischen Ethik und Ästhetik in Aristarchs Homerkritik, Elisabeth Scharkin (Tübingen): Kassandra zwischen Tragödie und Epik: Prophetie und Ohnmacht in römischer Literatur; und Elisa Immler (Konstanz), ‚Medea fiam‘. Die Genese der Katastrophe in Senecas ‚Medea‘ unter Berücksichtigung der ‚De ira‘. Am Abend begeisterte Regina Höschele (München, LMU) die Anwesenden durch ihre Keynote „Oh, du glückseliger Speer! Waffen, Lust und Sex in Nonnos‘ Dionysiaka“, in der sie so überzeugend wie kurzweilig darlegte, wie Nonnos in Anschluss an Ovid und andere Vorgänger den Topos verarbeitet, dass ein Liebender den Wunsch ausspricht ein Gegenstand in Händen der Person seines Begehrens zu sein.

    Im Anschluss bot ein Empfang Gelegenheit, in entspannter Stimmung Bekanntschaften aus der ersten Tagung zu erneuern und neue Kontakte zu knüpfen.

    Am Donnerstag wurde das abwechslungsreiche Programm fortgesetzt, zunächst mit zwei weiteren Vorträgen mit Gender-Schwerpunkt: Selina Zegowitz (Jena) sprach zu Multiple Imitation in Claudians De raptu Proserpinae: Zur Figurendarstellung Proserpinas und Julia Heideklang (Tübingen) präsentierte Weibliche Akteure und die Übersetzung frühneuzeitlicher Literatur ins Lateinische am Beispiel von Fulvia Olympia Moratas Boccaccio-Teilübersetzungen.

    Anschließend teilte sich das Plenum auf, um einen der beiden Workshops zu besuchen: Lena Eckert vom Netzwerk Mutterschaft & Wissenschaft führte ins Thema „Kinder, Gender Care Gap und Wissenschaft“ ein. Im Rahmen eines Roundtables gaben Laura Carrara (Pisa/Greifswald, Alfred Krupp-Wissenschaftskolleg), Lisa Cordes (Berlin, HU) und Katharina Wesselmann (Potsdam) ihr Wissen und ihre Erfahrungen zum wissenschaftlichen Publizieren in allen Formen, nationalen Fachkulturen und Karrierestufen weiter.

    Somit bot die Netzwerktagung auch wieder ein Forum für die Diskussion struktureller Herausforderungen für Frauen* in den Altertumswissenschaften.

    Nach der Mittagspause lauschten wir wiederum in zwei Gruppen aufgeteilt der ersten Runde von Projekt-Pitches, einem Format, das sich bereits auf der ersten Tagung bewährt hatte. Dabei stellten Referentinnen* ihre Projekte in frühen Entwicklungsphasen kurz vor, um in offener Diskussion Rückmeldungen und Ideen zu erhalten. Es präsentierten: Susanna Fischer (München, LMU): Digital Itineraries: spatio-temporale Annotation in Vergils Aeneis, Christina Schulz (Heidelberg): Skalierung und ästhetische Reflexion bei Apollonios Rhodios, Alena Maaß (Kiel): Entwicklung und Vermittlung antiken astronomischen Wissens: Das Werk des Aristarch von Samos und seine Scholien, Cynthia Bruhn (Zürich, UZH): Anonymität und religiöses Wissen, Nora Steigerwald (Tübingen): Bedrohung erzählen in den Res Gestae des Ammianus Marcellinus und Anna Demeter (Berlin, HU): Strafe vs. Rache? Furia und Atreus in Senecas Thyestes. Es folgte ein weiteres Panel mit Vorträgen: Estella Kessler (Harvard, CHS), Die Kallimacheische Krähe und ihre Verwechslung mit dem Raben, Ilaria Pinzo (Heidelberg): Stein werden. Eine Neulektüre der ovidischen Lithomorphosen durch die Schriften Italo Calvinos und Giulia Dovico (Leiden/Groningen): Sprachliche Bilder in der antiken Literaturkritik.

    Nach diesem abwechslungsreichen und intensiven Konferenztag machte sich die Gruppe im Abendlicht auf einen Spaziergang durch den spektakulären Schlosspark Sanssouci, wo Sara Chiarini, Alexandra Forst, Julia Genschow und Katharina Wesselmann verschiedene Highlights mit Antikenbezug wie die Statuen am Neuen Palais, den Freundschaftstempel, das Schloss Charlottenhof mitsamt dem Grabstein der Veia Acme und das Hippodrom vorstellten, bevor der Abend beim Conference Dinner ausklang.

    Der Freitag begann mit einem Workshop zur Zukunft des Netzwerks, teils in thematischen Arbeitsgruppen. Es besteht großes Interesse an der Fortführung und Verstetigung des Netzwerks. Der Aufbau einer Website, die zum Teilen von Informationen und Ressourcen zum Thema Frauen* in der Klassischen Philologie, Ansprechpartnerinnen*, Veranstaltungen und Berichten dient, wird zeitnah in Angriff genommen. Ergänzend zur bereits bestehenden Mailing-Liste werden weitere Foren zum digitalen Austausch geprüft und angelegt. Ein Team von Organisatorinnen* für die nächste Konferenz in München hat sich gebildet. Darüber hinaus werden weitere digitale Formate wie ein Zoom-Schreibcafé und thematische Veranstaltungen mit Expert*innen zu Themen der Karriereentwicklung und des Wissenschaftsbetriebs initiiert.

    Im Anschluss ging es in die zweite Runde der Project-Pitches in zwei Gruppen, bei denen Saskia Schomber (München): Ancient Erotic Narratives and Embodied Readings: Das Beispiel von Lukians Erotes, Chiara Telesca (Innsbruck): Thinking Greek Continuity before Historicism: K.B. Hase and J.-B-G. d’Ansse de Villoison, Daria Kohler (Leuven): Die lyrischen Metren im griechischen Drama: Textkritik und digitale Geisteswissenschaften, Tina Herrmann (Wien): Die Rezeption der Antike in den De orbe novo decades des Pietro Martire dʼAnghiera und Irene Di Gioia (Kiel): Tier-Mensch-Spiel als Ort für animal agency in der griechisch-römischen Antike ihre neuen Projekte zur Diskussion stellten.

    Ein letzter Vortragsblock im Plenum rundete die Tagung ab, bestritten von Alessia Borriello (Rom, Tor Vergata): Verlorene Anthologien: Antike Handschriften griechischer Epigramme in den Händen der Humanisten, Katharina Angelberger (Heidelberg): Espèces d’espace(s) – Zu einer Politik des poetischen Raums in Properz 4,6 und Jessica Tasselli (Berlin, BBAW): Göttliche Inspiration oder téchne? Platons Ion und die hellenistische Dichtung.

    Die spontanen Rückmeldungen der Teilnehmerinnen* fielen durchweg positiv aus und hoben besonders die freundliche, zugewandte Diskussionsatmosphäre, die Offenheit des Austauschs über Statusgruppen hinweg und die konstruktive Perspektive auf zukünftige Aktivitäten hervor. Dies gibt dem Netzwerk die Bestätigung, dass sowohl die nächste Tagung als auch weitere Aktivitäten eine Bereicherung für die Klassische Philologie im deutschsprachigen Raum sein werden.

    Großzügige finanzielle Unterstützung erhielt unsere Tagung von Seiten der Universität Potsdam durch die Zentrale Forschungsförderung, die Kommission für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Philosophischen Fakultät, die Potsdam Graduate School, das Koordinationsbüro für Chancengleichheit und den Lehrstuhl für Klassische Philologie, zudem durch das Collegium Philosophicum der Universität Kiel und durch die Mommsen-Gesellschaft. Für die Unterstützung, ohne die diese Tagung nicht hätte stattfinden können, sei allen Geldgeber*innen herzlichst gedankt! Ebenso danken die Organisatorinnen* Ulrike Zieger, Julia Genschow, Hendrik Hamecher, Jacob Werblow und Tom Dera für ihre wertvolle und zupackende Unterstützung.

    Kontakt zum Frauen*netzwerk in der Klassischen Philologie: frauenvernetzungkph@posteo.de

    Mailing-Liste: https://lists.lrz.de/mailman3/lists/frauen.netzwerk.kph.lists.lrz.de/ Programm und Photos der Potsdamer Tagung: https://www.uni-potsdam.de/de/klassphil/veranstaltungen/2-tagung-des-frauennetzwerks-in-der-klassischen-philologie

  • „Dare to dig deeper!“ Neuer Masterstudiengang

    „Dare to dig deeper!“ Unter diesem Motto startet zum Wintersemester 2026/2027 an der Freien Universität Berlin ein neuer Masterstudiengang.

    Der konsekutive 2-jährige MA „Antike Welten – Interdisziplinäre Altertumswissenschaften“ist ein attraktives, zukunftsorientiertes Programm, das die vielfältigen Möglichkeiten der Berliner Forschungslandschaft nach dem Prinzip fachliche Tiefe, fachübergreifende Integration, und Wahlfreiheit in die universitäre Ausbildung trägt. Der Studiengang ist international ausgerichtet und bietet im Gegensatz zu vergleichbaren Studiengängen in Deutschland ein breites Angebot in englischsprachiger Lehre. 

    Beteiligt sind die Fächer Ägyptologie, Altorientalistik, Archäoinformatik, Klassische Archäologie, Prähistorische Archäologie, Vorderasiatische Archäologie und Wissensgeschichte des Altertums, die man jeweils als Profilbereich wählen kann. Darüber hinaus gibt es ein interdisziplinäres Profil „Antike Welten“. Die Lehrveranstaltungen werden je nach Profilbereich und Lehrperson auf Deutsch oder Englisch abgehalten.

    Informieren können Sie sich über den neuen Master-Studiengang online bei einer „Master-Session“ am Dienstag, 21. April 2026, 13-14 Uhr unter folgendem Link:

    https://fu-berlin.webex.com/fu-berlin/j.php?MTID=ma1f31afee6885173fc6801b53baec14a

    Voraussichtlich wird eine zweite „Master-Session“ im Mai stattfinden. Informieren Sie sich dazu auf folgenden Webseiten:

    https://www.geschkult.fu-berlin.de/e/altertum/studium/MA-Antike-Welten/index.html

    https://www.fu-berlin.de/studium/termine/studieninteressierte/master/Master-Sessions/ms_ma_antike_welten.html

    Kontakt: ma-antike-welten@geschkult.fu-berlin.de

  • Alte Geschichte in Passau in Gefahr

    Die Sparzwänge, denen viele Universitäten – nicht nur in Deutschland – ausgesetzt sind, bedrohen die Existenz vieler sogenannter Kleiner Fächer, zu denen in besonderem Maße die Altertumswissenschaften gehören.

    Lesen Sie hier einen offenen Brief unseres Kollegen Herrn Prof. Dr. Oliver Stoll über die Lage in Passau:

    Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands, der Mommsen-Gesellschaft und des Deutschen Hochschulverbandes!

    Dass in Bayern an manchen – zumindest den kleineren – Universitäten mittlerweile ein extremer Sparzwang mit großen Auswirkungen auf den Universitätsalltag Fakt ist, ist allen bekannt – wesentliche Informationen haben in den letzten Monaten ja auch ihren Weg an die Öffentlichkeit gefunden (https://www.pnp.de/lokales/stadt-passau/um-haushalt-zu-retten-uni-passau-kuendigt-intern-sparmassnahmen-an-18821567 [7.6.2025]; https://www.pnp.de/lokales/stadt-passau/uni-passau-auf-sparkurs-praesident-prof-dr-bartosch-im-interview-19337690 [23.8.2025]; https://www.br.de/nachrichten/bayern/sparzwang-an-universitaeten-kommt-im-hoersaal-an,UzE4KKc [13.10.2025]; https://www.unserradio.de/protest-gegen-finanzielle-kuerzungen-an-universitaet-194029/ [7.11.2025]).

    Die Universität Passau betrifft das in besonderem Maß, Zunächst waren in einem internen Schreiben Sparmaßnahmen angekündigt worden, die an die Fakultäten weitergegeben worden sind. Allerdings ist das Ausmaß der Misere, trotz interner Regelungen dazu, bald öffentlich geworden. Mittlerweile haben sich auch die Studierenden zu Wort gemeldet (siehe oben, der letztgenannte link), die den derzeitigen Kurs der Regierung Bayerns sowie die Transparenz der Hochschule Passau kritisieren. Es gibt als Konsequenz der Misere massive Einschnitte in Lehre und Arbeitsbedingungen, zum Beispiel bei Lehraufträgen (nur noch einer pro Semester etwa für die Alte Geschichte); Tutorien wurden gestrichen, außerdem fehlen allgemein Mittel für Forschung und Lehre.

    Die Alte Geschichte in Passau hatte seit der Emeritierung von Herrn Prof. Dr. H. Wolff, die mit einer Zusammenstreichung der Ausstattung und einer Herabstufung von W3 zu W2 und dem Wandel von einem Lehrstuhl zur Professur einherging, keine feste Personalgrundausstattung mehr, bestand aus einem Professor und einer 0,25 Sekretariatsstelle – damit war sie definitiv die kleinste und stets unterausgestattete Abteilung der Alten Geschichte in Bayern; MitarbeiterInnen, die an die Professur geholt werden konnten, waren immer selbst über Drittmittel oder Mittel zur Verbesserung der Lehre kompetitiv eingeworben, auch Lehraufträge (auch die für die Alten Sprachen, da es sonst in Passau keine Altertumswissenschaft gibt) waren jedes Mal neu ‚umkämpft‘ bzw. erkämpft. Die Pflichtlehre konnte stets nur mit Hilfe von beantragten Lehraufträgen wirklich geleistet werden, denn die 9 SWS des Professors reichten eigentlich nicht aus, wenn man alle Studiengänge betrachtet, an der die Alte Geschichte beteiligt ist (natürlich sind hier in allererster Linie die Lehrämter für alle Schularten zu nennen, aber etwa auch diverse Bachelor Studiengänge, v.a. der Bachelor Historische Wissenschaften und selbstverständlich auch Masterstudiengänge wie der Master Geschichte und Gesellschaft). Immerhin gab es pro Semester rund 300 ‚Prüfungsereignisse‘, das ist für eine so kleine Abteilung nicht wenig.

    Mittlerweile ist der Prozess des Sparens und des Sparzwanges fortgeschritten – alle Fakultäten in Passau müssen erhebliche Summen sparen: Ohne zu sehr in Details zu gehen, scheint eine der gefundenen oder auferlegten Lösungswege zu sein, freiwerdende Stellen zu streichen, was selbstverständlich dann auch ganze Lehrstühle oder Professuren beinhaltet. Ich komme damit zum Punkt, der eigentlich der Anlass des Informationsschreibens an Sie ist:

    Mir ist – leider ohne direkte Gespräche, die mit mir geführt worden wären  – bekannt geworden, dass die Professur für Alte Geschichte nach meinem gesundheitsbedingt vorzeitigen Ausscheiden (im September 2028) aus dem Dienst kassiert werden soll. Das hat die UL offenbar bereits beschlossen, den Dekan aber hat man mit Ideen zu einer Verhandlungsgrundlage (Wie auch immer die Lösung am Ende aussieht: eine LfbA-Stelle 50% mit 9SWS? oder W1 ohne Tenure mit 5 bzw. 7 SWS als „Ersatz“? Ja, auch das Outsourcing der Alten Geschichte-Anteile der Studierenden nach Regensburg, Nürnberg-Erlangen oder Bamberg wurde offenbar erwogen) zu meinen FachkollegInnen der Fachgruppe Geschichte in Passau geschickt.

    Die Arbeit und Anstrengungen in Passau, das, was in den Jahren seit 2007 in der Professur für Alte Geschichte erreicht worden ist, scheint irrelevant: eingeworbene Drittmittelprojekte, Aufbau der Münzsammlung und Etablierung der Münzdatenbank, national und international wahrgenommene Forschung, das Erarbeiten bzw. die Profilbildung eines eigenen, ‚florierenden‘ und auch aktuellen Schwerpunktes auf dem Gebiet der antiken Militärgeschichte, eine beachtliche Anzahl an entsprechenden Qualifikationsarbeiten. Auch zwei geplante und in Vorarbeiten befindliche Verbundprojekte vor Ort, an denen noch Beteiligung gesucht wurde, um die Alte Geschichte in Passau auch auf diesem Wege für die Zukunft zu sichern, waren kein Argument. Mit der Alten Geschichte verliert auch das zentrale Institut der Universität IKON („Institut für Kulturraumstudien in Ostbayern und den Nachbargebieten“) – das in die Region hinein eine erhebliche Ausstrahlung hat und etwa auch mit den Museen der Stadt, z.B. dem Römermuseum, kooperiert – einen traditionellen Teil seines Direktoriums. Keine Alte Geschichte also mehr in der ‚Römerstadt Passau‘?

    Dass das alles jedenfalls der ‚Tod der Alten Geschichte‘ in Passau ist – mindestens was Forschung angeht, aber natürlich auch in weiten Teilen der Lehre, die qualitativ und quantitativ ohne Zweifel Abstriche hinnehmen wird – brauche ich Ihnen nicht weiter zu erläutern. Auch die Nachwuchsförderung wird am Standort in unserem Bereich Einbußen erleiden bzw. nicht mehr wirklich über ein bestimmtes Niveau hinaus möglich sein. Für wen unter den NachwuchswissenschafterInnen wird eine (wie auch immer dann ausgestaltete) ‚Althistoriker-Stelle‘ in Passau interessant und attraktiv sein? Das Ganze hat sicher auf die eine oder andere Weise Konsequenzen – zumindest für die ‚bayerische Alte Geschichte‘.

    Mit dieser Information ist selbstverständlich keine Handlungsaufforderung meinerseits an Sie verbunden, es geht um Information und Öffentlichkeit für einen Umstand, den ich auch hochschulpolitisch als entsprechend bedeutsam erachte. Ich will nur darauf hinweisen, dass das Beispiel ja, in Bayern zumal, vielleicht aber auch anderswo, eventuell noch weiter Schule machen könnte – gerade an kleineren Universitäten. Vielleicht sollten die potentiell betroffenen KollegInnen über entsprechende hochschulpolitisch begleitete ‚Schutzmaßnahmen‘ an ihren Universitäten schon jetzt verstärkt prophylaktisch nachdenken. Eine scheinbare Unverzichtbarkeit der Alten Geschichte (und sei es im Lehramt) ist nichts, worauf man sich mit Blick auf die Bestandswahrung der Lehrstühle und Professuren verlassen kann – die prinzipielle Unverzichtbarkeit haben meine von mir geschätzten KollegInnen in Passau auch stets zu bedenken gegeben und sie werden sich jetzt dennoch mit den oben genannten Minimallösungen für eine unbestimmte Zukunft herumschlagen müssen!

    In diesem Sinne verbleibe ich mit bestem Gruß,

    Oliver Stoll

    Univ.-Prof. Dr. Oliver Stoll
    Professur für Alte Geschichte
    Universität Passau

  • Zum Raum wird hier die Zeit

    Ein Gastkommentar zur geplanten Streichung der Archäologien an der HU-Berlin

    von Dominik Maschek

    (in leicht abgewandelter Form erschienen in der FAZ vom 4. März 2026)

    Eine Zeitenwende geht um in Europa. Ihre Symptome sind allerorten zu spüren, in Form von Krieg, stockendem Wirtschaftswachstum sowie politischer und gesellschaftlicher Polarisierung. Und auch vor Kultur, Bildung und Forschung macht diese Zeitenwende nicht halt. Im Gleichschritt mit der militärischen Aufrüstung verschieben sich auch in Deutschland die budgetären Prioritäten – und wenn dann noch eine prekäre Haushaltslage herrscht, wird der Rotstift dort angesetzt, wo scheinbar die geringste Relevanz für die Gesellschaft liegt, wo, um in der streng kapitalistischen Logik der Finanzpolitiker zu bleiben, das Investment den geringsten Profit abwirft.

    Angesichts dieser Tatsache ist es vielleicht auch kein Zufall, dass heute an einer renommierten Institution wie der Humboldt-Universität zu Berlin die archäologischen Fächer vor dem Aus stehen. Es wäre nun aber deutlich zu kurz gegriffen, dieses drohende Ende der Archäologien an der Humboldt-Universität nur als das Resultat eines schwächelnden Haushalts zu verstehen. Vielmehr erzählt es uns viel über das Unterbewusstsein unserer Gegenwartsgesellschaft. Denn die Archäologie ist im Kern eine unbequeme Wissenschaft. Sie beschäftigt sich damit, das Verborgene aufzudecken und das Verschüttete zu erklären. Wie das Berliner Beispiel zeigt, wird diese Beschäftigung heutzutage offenbar nicht mehr als Wert, sondern als lästige Bürde oder vielleicht sogar, zumindest unbewusst, als Gefahr begriffen.

    In diesem Zusammenhang ist es bezeichnend, dass Siegmund Freud in der Archäologie eine der Psychoanalyse auf das Engste verwandte Wissenschaft sah. Ebenso wie die Psychoanalyse im Wien des Fin de Siècle leitet die Archäologie ihre Studierenden und Forschenden dazu an, sich nicht mit dem schönen Schein der Oberfläche zufrieden zu geben, sondern den Problemen und ihren Ursachen auf den Grund zu gehen. In der Analyse vergangener Epochen bedeutet das nicht zuletzt einen kritischen Blick darauf, wie, immer und immer wieder, Systeme von Ausbeutung, Propaganda und Machtausübung mit bestimmten Absichten und Interessen konstruiert und aufrechterhalten wurden – aber auch, wie diese Systeme letzten Endes zerbrochen und vom Antlitz der Erde verschwunden sind. Dieses unausweichliche Verschwinden und Vergehen ist es, an das die moderne Wohlstandsgesellschaft nicht gerne erinnert werden möchte. Statt seiner Bewusstmachung durch wissenschaftliche Forschung und universitäre Lehre scheint es zumindest in manchen Einrichtungen deshalb offenbar opportun, die entsprechenden Fächer einfach aus dem universitären Kanon zu entfernen.

    Doch die archäologische Beschäftigung mit der Vergangenheit offenbart nicht nur eine existenzielle Vergänglichkeit, die das moderne Streben nach Vitalität, Fortschritt und Wachstum konterkariert. Sie ermöglicht auch eine Erfahrung der Vergangenheit, die in ihrer Unmittelbarkeit einmalig ist. Die Art dieser Erfahrung hat ein berühmter Zeitgenosse Siegmund Freuds auf den Punkt gebracht: „Zum Raum wird hier die Zeit“. So beschreibt in Richard Wagners „Parsifal“ der weise Ritter Gurnemanz das eigentlich Unbeschreibbare: jenen Moment der puren Transzendenz, in dem die Gemeinschaft der Ritter durch die Kommunion aus dem heiligen Gral in direkter Linie das letzte Abendmahl von Jesus und seinen Jüngern fortsetzt. Zum Raum und zum Gegenstand gewordene Zeit, durch die wir einen unmittelbaren Zugang zur Menschheitsgeschichte erhalten: damit beschäftigt sich die Archäologie, und das macht auch ihre breitenwirksame Faszination aus. Wir wären als Gesellschaft gut beraten, diese einzigartige Form der Geschichtserfahrung nicht gering zu schätzen.