Meldungen aus den Altertumswissenschaften

  • Erasmus+ traineeships 2026/27 – University of Bologna

    The University of Bologna has opened the “Erasmus + Student Mobility for traineeships 2026/27” call for its students looking for internships in European countries. Students will receive a grant so there are no costs for hosting companies and organizations (see details).
    Mobilitas is the University of Bologna dedicated free service to facilitate the matching between European companies and students for training and working experiences.
    If your company/organization is interested in hosting trainees please fill the FORM and submit it as soon as possible. Your vacancy will be sent to students eventually matching the profile.
    Traineeships can be financed from 2 to 6 months and can start between 1st of September 2026 and 31th of July 2027. Students are free to apply among the vacancies proposed and then apply to University’s call within the deadline (12th of May 2026).
    For any further information, please email to mobilitas@uniser.net.
    Looking forward to hearing from you.
    Best regards,
    Mobilitas staff www.mobilitasonline.net
  • Bericht zur 2. Tagung des Frauen*netzwerks in der Klassischen Philologie „καὶ κράτος νέμοι γυναιξίν (Aisch. Suppl. 1068f.)“

    25.- 27.02.2026

    von Hannah Brandenburg, Marieke Fleck, Sophia Häberle, Samantha Philips

    Die Konferenz, organisiert von Hannah Brandenburg (Potsdam), Marieke Fleck (Berlin, HU), Sophia Häberle (Berlin, HU) und Samantha Philips (Kiel), brachte über 50 Wissenschaftler*innen aller Karrierestufen aus dem deutschsprachigen Raum und darüber hinaus vom 25. bis 27. März 2026 an der Universität Potsdam zusammen. Das Programm von Vorträgen und Pitches, in denen die Referentinnen* Forschungsprojekte aus der ganzen Bandbreite der Klassischen Philologie vorstellten, wurde ergänzt durch Workshops, eine Podiumsdiskussion, einen Empfang und eine Führung durch den Schlosspark Sanssouci.

    Wie schon auf der Vorgängertagung in Marburg 2025, mit der Henrike Arnold (Marburg), Laura Bottenberg (Tübingen), Mareike Ehlert (Osnabrück, jetzt Berlin, HU), Paula Neumann (Marburg), Saskia Schomber (München, LMU) und Lisa-Marei Stalp (Gießen) den Grundstein für das Netzwerk gelegt hatten, standen neben dem fachlichen Input der Austausch von Erfahrungen, die Diskussion spezifischer Herausforderungen für Frauen* in wissenschaftlichen Karrieren und das gegenseitige Kennenlernen im Fokus. Dies entspricht dem Ziel des Netzwerks, für klassische Philologinnen* aller Karrierestufen zugleich eine Plattform zur Vernetzung und einen konstruktiven Rahmen für wissenschaftlichen Austausch zu bieten. Auch 2027 wird es eine Tagung des Frauen*netzwerks geben, Gastgeberin wird die Ludwig-Maximilians-Universität München sein.

    Eröffnet wurde die Potsdamer Tagung von Katharina Wesselmann (Potsdam) und Nicola Hömke (Rostock) als Vertreterin für die Mommsen-Gesellschaft. Beide zeigten sich erfreut über die Nachhaltigkeit der Initiative und die breite Beteiligung, wiesen aber auch auf die bestehenden geschlechtsspezifischen Benachteiligungen und Herausforderungen an Frauen* in der Wissenschaft und speziell in der Klassischen Philologie hin, die eine Fortsetzung der Vernetzung, des Austauschs und der aktiven Förderung von Frauen* nötig machten.

    Im Anschluss stellten die Referentinnen* des ersten Panels, das besonders Themen mit Gender-Bezug gewidmet war, ihre Forschung vor: Judith Adam (Jena): Das seelische Gender: Proklos’ Timaeus-Interpretation, Giulia Colli (Heidelberg): Der Begriff der Angemessenheit zwischen Ethik und Ästhetik in Aristarchs Homerkritik, Elisabeth Scharkin (Tübingen): Kassandra zwischen Tragödie und Epik: Prophetie und Ohnmacht in römischer Literatur; und Elisa Immler (Konstanz), ‚Medea fiam‘. Die Genese der Katastrophe in Senecas ‚Medea‘ unter Berücksichtigung der ‚De ira‘. Am Abend begeisterte Regina Höschele (München, LMU) die Anwesenden durch ihre Keynote „Oh, du glückseliger Speer! Waffen, Lust und Sex in Nonnos‘ Dionysiaka“, in der sie so überzeugend wie kurzweilig darlegte, wie Nonnos in Anschluss an Ovid und andere Vorgänger den Topos verarbeitet, dass ein Liebender den Wunsch ausspricht ein Gegenstand in Händen der Person seines Begehrens zu sein.

    Im Anschluss bot ein Empfang Gelegenheit, in entspannter Stimmung Bekanntschaften aus der ersten Tagung zu erneuern und neue Kontakte zu knüpfen.

    Am Donnerstag wurde das abwechslungsreiche Programm fortgesetzt, zunächst mit zwei weiteren Vorträgen mit Gender-Schwerpunkt: Selina Zegowitz (Jena) sprach zu Multiple Imitation in Claudians De raptu Proserpinae: Zur Figurendarstellung Proserpinas und Julia Heideklang (Tübingen) präsentierte Weibliche Akteure und die Übersetzung frühneuzeitlicher Literatur ins Lateinische am Beispiel von Fulvia Olympia Moratas Boccaccio-Teilübersetzungen.

    Anschließend teilte sich das Plenum auf, um einen der beiden Workshops zu besuchen: Lena Eckert vom Netzwerk Mutterschaft & Wissenschaft führte ins Thema „Kinder, Gender Care Gap und Wissenschaft“ ein. Im Rahmen eines Roundtables gaben Laura Carrara (Pisa/Greifswald, Alfred Krupp-Wissenschaftskolleg), Lisa Cordes (Berlin, HU) und Katharina Wesselmann (Potsdam) ihr Wissen und ihre Erfahrungen zum wissenschaftlichen Publizieren in allen Formen, nationalen Fachkulturen und Karrierestufen weiter.

    Somit bot die Netzwerktagung auch wieder ein Forum für die Diskussion struktureller Herausforderungen für Frauen* in den Altertumswissenschaften.

    Nach der Mittagspause lauschten wir wiederum in zwei Gruppen aufgeteilt der ersten Runde von Projekt-Pitches, einem Format, das sich bereits auf der ersten Tagung bewährt hatte. Dabei stellten Referentinnen* ihre Projekte in frühen Entwicklungsphasen kurz vor, um in offener Diskussion Rückmeldungen und Ideen zu erhalten. Es präsentierten: Susanna Fischer (München, LMU): Digital Itineraries: spatio-temporale Annotation in Vergils Aeneis, Christina Schulz (Heidelberg): Skalierung und ästhetische Reflexion bei Apollonios Rhodios, Alena Maaß (Kiel): Entwicklung und Vermittlung antiken astronomischen Wissens: Das Werk des Aristarch von Samos und seine Scholien, Cynthia Bruhn (Zürich, UZH): Anonymität und religiöses Wissen, Nora Steigerwald (Tübingen): Bedrohung erzählen in den Res Gestae des Ammianus Marcellinus und Anna Demeter (Berlin, HU): Strafe vs. Rache? Furia und Atreus in Senecas Thyestes. Es folgte ein weiteres Panel mit Vorträgen: Estella Kessler (Harvard, CHS), Die Kallimacheische Krähe und ihre Verwechslung mit dem Raben, Ilaria Pinzo (Heidelberg): Stein werden. Eine Neulektüre der ovidischen Lithomorphosen durch die Schriften Italo Calvinos und Giulia Dovico (Leiden/Groningen): Sprachliche Bilder in der antiken Literaturkritik.

    Nach diesem abwechslungsreichen und intensiven Konferenztag machte sich die Gruppe im Abendlicht auf einen Spaziergang durch den spektakulären Schlosspark Sanssouci, wo Sara Chiarini, Alexandra Forst, Julia Genschow und Katharina Wesselmann verschiedene Highlights mit Antikenbezug wie die Statuen am Neuen Palais, den Freundschaftstempel, das Schloss Charlottenhof mitsamt dem Grabstein der Veia Acme und das Hippodrom vorstellten, bevor der Abend beim Conference Dinner ausklang.

    Der Freitag begann mit einem Workshop zur Zukunft des Netzwerks, teils in thematischen Arbeitsgruppen. Es besteht großes Interesse an der Fortführung und Verstetigung des Netzwerks. Der Aufbau einer Website, die zum Teilen von Informationen und Ressourcen zum Thema Frauen* in der Klassischen Philologie, Ansprechpartnerinnen*, Veranstaltungen und Berichten dient, wird zeitnah in Angriff genommen. Ergänzend zur bereits bestehenden Mailing-Liste werden weitere Foren zum digitalen Austausch geprüft und angelegt. Ein Team von Organisatorinnen* für die nächste Konferenz in München hat sich gebildet. Darüber hinaus werden weitere digitale Formate wie ein Zoom-Schreibcafé und thematische Veranstaltungen mit Expert*innen zu Themen der Karriereentwicklung und des Wissenschaftsbetriebs initiiert.

    Im Anschluss ging es in die zweite Runde der Project-Pitches in zwei Gruppen, bei denen Saskia Schomber (München): Ancient Erotic Narratives and Embodied Readings: Das Beispiel von Lukians Erotes, Chiara Telesca (Innsbruck): Thinking Greek Continuity before Historicism: K.B. Hase and J.-B-G. d’Ansse de Villoison, Daria Kohler (Leuven): Die lyrischen Metren im griechischen Drama: Textkritik und digitale Geisteswissenschaften, Tina Herrmann (Wien): Die Rezeption der Antike in den De orbe novo decades des Pietro Martire dʼAnghiera und Irene Di Gioia (Kiel): Tier-Mensch-Spiel als Ort für animal agency in der griechisch-römischen Antike ihre neuen Projekte zur Diskussion stellten.

    Ein letzter Vortragsblock im Plenum rundete die Tagung ab, bestritten von Alessia Borriello (Rom, Tor Vergata): Verlorene Anthologien: Antike Handschriften griechischer Epigramme in den Händen der Humanisten, Katharina Angelberger (Heidelberg): Espèces d’espace(s) – Zu einer Politik des poetischen Raums in Properz 4,6 und Jessica Tasselli (Berlin, BBAW): Göttliche Inspiration oder téchne? Platons Ion und die hellenistische Dichtung.

    Die spontanen Rückmeldungen der Teilnehmerinnen* fielen durchweg positiv aus und hoben besonders die freundliche, zugewandte Diskussionsatmosphäre, die Offenheit des Austauschs über Statusgruppen hinweg und die konstruktive Perspektive auf zukünftige Aktivitäten hervor. Dies gibt dem Netzwerk die Bestätigung, dass sowohl die nächste Tagung als auch weitere Aktivitäten eine Bereicherung für die Klassische Philologie im deutschsprachigen Raum sein werden.

    Großzügige finanzielle Unterstützung erhielt unsere Tagung von Seiten der Universität Potsdam durch die Zentrale Forschungsförderung, die Kommission für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Philosophischen Fakultät, die Potsdam Graduate School, das Koordinationsbüro für Chancengleichheit und den Lehrstuhl für Klassische Philologie, zudem durch das Collegium Philosophicum der Universität Kiel und durch die Mommsen-Gesellschaft. Für die Unterstützung, ohne die diese Tagung nicht hätte stattfinden können, sei allen Geldgeber*innen herzlichst gedankt! Ebenso danken die Organisatorinnen* Ulrike Zieger, Julia Genschow, Hendrik Hamecher, Jacob Werblow und Tom Dera für ihre wertvolle und zupackende Unterstützung.

    Kontakt zum Frauen*netzwerk in der Klassischen Philologie: frauenvernetzungkph@posteo.de

    Mailing-Liste: https://lists.lrz.de/mailman3/lists/frauen.netzwerk.kph.lists.lrz.de/ Programm und Photos der Potsdamer Tagung: https://www.uni-potsdam.de/de/klassphil/veranstaltungen/2-tagung-des-frauennetzwerks-in-der-klassischen-philologie

  • „Dare to dig deeper!“ Neuer Masterstudiengang

    „Dare to dig deeper!“ Unter diesem Motto startet zum Wintersemester 2026/2027 an der Freien Universität Berlin ein neuer Masterstudiengang.

    Der konsekutive 2-jährige MA „Antike Welten – Interdisziplinäre Altertumswissenschaften“ist ein attraktives, zukunftsorientiertes Programm, das die vielfältigen Möglichkeiten der Berliner Forschungslandschaft nach dem Prinzip fachliche Tiefe, fachübergreifende Integration, und Wahlfreiheit in die universitäre Ausbildung trägt. Der Studiengang ist international ausgerichtet und bietet im Gegensatz zu vergleichbaren Studiengängen in Deutschland ein breites Angebot in englischsprachiger Lehre. 

    Beteiligt sind die Fächer Ägyptologie, Altorientalistik, Archäoinformatik, Klassische Archäologie, Prähistorische Archäologie, Vorderasiatische Archäologie und Wissensgeschichte des Altertums, die man jeweils als Profilbereich wählen kann. Darüber hinaus gibt es ein interdisziplinäres Profil „Antike Welten“. Die Lehrveranstaltungen werden je nach Profilbereich und Lehrperson auf Deutsch oder Englisch abgehalten.

    Informieren können Sie sich über den neuen Master-Studiengang online bei einer „Master-Session“ am Dienstag, 21. April 2026, 13-14 Uhr unter folgendem Link:

    https://fu-berlin.webex.com/fu-berlin/j.php?MTID=ma1f31afee6885173fc6801b53baec14a

    Voraussichtlich wird eine zweite „Master-Session“ im Mai stattfinden. Informieren Sie sich dazu auf folgenden Webseiten:

    https://www.geschkult.fu-berlin.de/e/altertum/studium/MA-Antike-Welten/index.html

    https://www.fu-berlin.de/studium/termine/studieninteressierte/master/Master-Sessions/ms_ma_antike_welten.html

    Kontakt: ma-antike-welten@geschkult.fu-berlin.de

  • Alte Geschichte in Passau in Gefahr

    Die Sparzwänge, denen viele Universitäten – nicht nur in Deutschland – ausgesetzt sind, bedrohen die Existenz vieler sogenannter Kleiner Fächer, zu denen in besonderem Maße die Altertumswissenschaften gehören.

    Lesen Sie hier einen offenen Brief unseres Kollegen Herrn Prof. Dr. Oliver Stoll über die Lage in Passau:

    Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands, der Mommsen-Gesellschaft und des Deutschen Hochschulverbandes!

    Dass in Bayern an manchen – zumindest den kleineren – Universitäten mittlerweile ein extremer Sparzwang mit großen Auswirkungen auf den Universitätsalltag Fakt ist, ist allen bekannt – wesentliche Informationen haben in den letzten Monaten ja auch ihren Weg an die Öffentlichkeit gefunden (https://www.pnp.de/lokales/stadt-passau/um-haushalt-zu-retten-uni-passau-kuendigt-intern-sparmassnahmen-an-18821567 [7.6.2025]; https://www.pnp.de/lokales/stadt-passau/uni-passau-auf-sparkurs-praesident-prof-dr-bartosch-im-interview-19337690 [23.8.2025]; https://www.br.de/nachrichten/bayern/sparzwang-an-universitaeten-kommt-im-hoersaal-an,UzE4KKc [13.10.2025]; https://www.unserradio.de/protest-gegen-finanzielle-kuerzungen-an-universitaet-194029/ [7.11.2025]).

    Die Universität Passau betrifft das in besonderem Maß, Zunächst waren in einem internen Schreiben Sparmaßnahmen angekündigt worden, die an die Fakultäten weitergegeben worden sind. Allerdings ist das Ausmaß der Misere, trotz interner Regelungen dazu, bald öffentlich geworden. Mittlerweile haben sich auch die Studierenden zu Wort gemeldet (siehe oben, der letztgenannte link), die den derzeitigen Kurs der Regierung Bayerns sowie die Transparenz der Hochschule Passau kritisieren. Es gibt als Konsequenz der Misere massive Einschnitte in Lehre und Arbeitsbedingungen, zum Beispiel bei Lehraufträgen (nur noch einer pro Semester etwa für die Alte Geschichte); Tutorien wurden gestrichen, außerdem fehlen allgemein Mittel für Forschung und Lehre.

    Die Alte Geschichte in Passau hatte seit der Emeritierung von Herrn Prof. Dr. H. Wolff, die mit einer Zusammenstreichung der Ausstattung und einer Herabstufung von W3 zu W2 und dem Wandel von einem Lehrstuhl zur Professur einherging, keine feste Personalgrundausstattung mehr, bestand aus einem Professor und einer 0,25 Sekretariatsstelle – damit war sie definitiv die kleinste und stets unterausgestattete Abteilung der Alten Geschichte in Bayern; MitarbeiterInnen, die an die Professur geholt werden konnten, waren immer selbst über Drittmittel oder Mittel zur Verbesserung der Lehre kompetitiv eingeworben, auch Lehraufträge (auch die für die Alten Sprachen, da es sonst in Passau keine Altertumswissenschaft gibt) waren jedes Mal neu ‚umkämpft‘ bzw. erkämpft. Die Pflichtlehre konnte stets nur mit Hilfe von beantragten Lehraufträgen wirklich geleistet werden, denn die 9 SWS des Professors reichten eigentlich nicht aus, wenn man alle Studiengänge betrachtet, an der die Alte Geschichte beteiligt ist (natürlich sind hier in allererster Linie die Lehrämter für alle Schularten zu nennen, aber etwa auch diverse Bachelor Studiengänge, v.a. der Bachelor Historische Wissenschaften und selbstverständlich auch Masterstudiengänge wie der Master Geschichte und Gesellschaft). Immerhin gab es pro Semester rund 300 ‚Prüfungsereignisse‘, das ist für eine so kleine Abteilung nicht wenig.

    Mittlerweile ist der Prozess des Sparens und des Sparzwanges fortgeschritten – alle Fakultäten in Passau müssen erhebliche Summen sparen: Ohne zu sehr in Details zu gehen, scheint eine der gefundenen oder auferlegten Lösungswege zu sein, freiwerdende Stellen zu streichen, was selbstverständlich dann auch ganze Lehrstühle oder Professuren beinhaltet. Ich komme damit zum Punkt, der eigentlich der Anlass des Informationsschreibens an Sie ist:

    Mir ist – leider ohne direkte Gespräche, die mit mir geführt worden wären  – bekannt geworden, dass die Professur für Alte Geschichte nach meinem gesundheitsbedingt vorzeitigen Ausscheiden (im September 2028) aus dem Dienst kassiert werden soll. Das hat die UL offenbar bereits beschlossen, den Dekan aber hat man mit Ideen zu einer Verhandlungsgrundlage (Wie auch immer die Lösung am Ende aussieht: eine LfbA-Stelle 50% mit 9SWS? oder W1 ohne Tenure mit 5 bzw. 7 SWS als „Ersatz“? Ja, auch das Outsourcing der Alten Geschichte-Anteile der Studierenden nach Regensburg, Nürnberg-Erlangen oder Bamberg wurde offenbar erwogen) zu meinen FachkollegInnen der Fachgruppe Geschichte in Passau geschickt.

    Die Arbeit und Anstrengungen in Passau, das, was in den Jahren seit 2007 in der Professur für Alte Geschichte erreicht worden ist, scheint irrelevant: eingeworbene Drittmittelprojekte, Aufbau der Münzsammlung und Etablierung der Münzdatenbank, national und international wahrgenommene Forschung, das Erarbeiten bzw. die Profilbildung eines eigenen, ‚florierenden‘ und auch aktuellen Schwerpunktes auf dem Gebiet der antiken Militärgeschichte, eine beachtliche Anzahl an entsprechenden Qualifikationsarbeiten. Auch zwei geplante und in Vorarbeiten befindliche Verbundprojekte vor Ort, an denen noch Beteiligung gesucht wurde, um die Alte Geschichte in Passau auch auf diesem Wege für die Zukunft zu sichern, waren kein Argument. Mit der Alten Geschichte verliert auch das zentrale Institut der Universität IKON („Institut für Kulturraumstudien in Ostbayern und den Nachbargebieten“) – das in die Region hinein eine erhebliche Ausstrahlung hat und etwa auch mit den Museen der Stadt, z.B. dem Römermuseum, kooperiert – einen traditionellen Teil seines Direktoriums. Keine Alte Geschichte also mehr in der ‚Römerstadt Passau‘?

    Dass das alles jedenfalls der ‚Tod der Alten Geschichte‘ in Passau ist – mindestens was Forschung angeht, aber natürlich auch in weiten Teilen der Lehre, die qualitativ und quantitativ ohne Zweifel Abstriche hinnehmen wird – brauche ich Ihnen nicht weiter zu erläutern. Auch die Nachwuchsförderung wird am Standort in unserem Bereich Einbußen erleiden bzw. nicht mehr wirklich über ein bestimmtes Niveau hinaus möglich sein. Für wen unter den NachwuchswissenschafterInnen wird eine (wie auch immer dann ausgestaltete) ‚Althistoriker-Stelle‘ in Passau interessant und attraktiv sein? Das Ganze hat sicher auf die eine oder andere Weise Konsequenzen – zumindest für die ‚bayerische Alte Geschichte‘.

    Mit dieser Information ist selbstverständlich keine Handlungsaufforderung meinerseits an Sie verbunden, es geht um Information und Öffentlichkeit für einen Umstand, den ich auch hochschulpolitisch als entsprechend bedeutsam erachte. Ich will nur darauf hinweisen, dass das Beispiel ja, in Bayern zumal, vielleicht aber auch anderswo, eventuell noch weiter Schule machen könnte – gerade an kleineren Universitäten. Vielleicht sollten die potentiell betroffenen KollegInnen über entsprechende hochschulpolitisch begleitete ‚Schutzmaßnahmen‘ an ihren Universitäten schon jetzt verstärkt prophylaktisch nachdenken. Eine scheinbare Unverzichtbarkeit der Alten Geschichte (und sei es im Lehramt) ist nichts, worauf man sich mit Blick auf die Bestandswahrung der Lehrstühle und Professuren verlassen kann – die prinzipielle Unverzichtbarkeit haben meine von mir geschätzten KollegInnen in Passau auch stets zu bedenken gegeben und sie werden sich jetzt dennoch mit den oben genannten Minimallösungen für eine unbestimmte Zukunft herumschlagen müssen!

    In diesem Sinne verbleibe ich mit bestem Gruß,

    Oliver Stoll

    Univ.-Prof. Dr. Oliver Stoll
    Professur für Alte Geschichte
    Universität Passau

  • Zum Raum wird hier die Zeit

    Ein Gastkommentar zur geplanten Streichung der Archäologien an der HU-Berlin

    von Dominik Maschek

    (in leicht abgewandelter Form erschienen in der FAZ vom 4. März 2026)

    Eine Zeitenwende geht um in Europa. Ihre Symptome sind allerorten zu spüren, in Form von Krieg, stockendem Wirtschaftswachstum sowie politischer und gesellschaftlicher Polarisierung. Und auch vor Kultur, Bildung und Forschung macht diese Zeitenwende nicht halt. Im Gleichschritt mit der militärischen Aufrüstung verschieben sich auch in Deutschland die budgetären Prioritäten – und wenn dann noch eine prekäre Haushaltslage herrscht, wird der Rotstift dort angesetzt, wo scheinbar die geringste Relevanz für die Gesellschaft liegt, wo, um in der streng kapitalistischen Logik der Finanzpolitiker zu bleiben, das Investment den geringsten Profit abwirft.

    Angesichts dieser Tatsache ist es vielleicht auch kein Zufall, dass heute an einer renommierten Institution wie der Humboldt-Universität zu Berlin die archäologischen Fächer vor dem Aus stehen. Es wäre nun aber deutlich zu kurz gegriffen, dieses drohende Ende der Archäologien an der Humboldt-Universität nur als das Resultat eines schwächelnden Haushalts zu verstehen. Vielmehr erzählt es uns viel über das Unterbewusstsein unserer Gegenwartsgesellschaft. Denn die Archäologie ist im Kern eine unbequeme Wissenschaft. Sie beschäftigt sich damit, das Verborgene aufzudecken und das Verschüttete zu erklären. Wie das Berliner Beispiel zeigt, wird diese Beschäftigung heutzutage offenbar nicht mehr als Wert, sondern als lästige Bürde oder vielleicht sogar, zumindest unbewusst, als Gefahr begriffen.

    In diesem Zusammenhang ist es bezeichnend, dass Siegmund Freud in der Archäologie eine der Psychoanalyse auf das Engste verwandte Wissenschaft sah. Ebenso wie die Psychoanalyse im Wien des Fin de Siècle leitet die Archäologie ihre Studierenden und Forschenden dazu an, sich nicht mit dem schönen Schein der Oberfläche zufrieden zu geben, sondern den Problemen und ihren Ursachen auf den Grund zu gehen. In der Analyse vergangener Epochen bedeutet das nicht zuletzt einen kritischen Blick darauf, wie, immer und immer wieder, Systeme von Ausbeutung, Propaganda und Machtausübung mit bestimmten Absichten und Interessen konstruiert und aufrechterhalten wurden – aber auch, wie diese Systeme letzten Endes zerbrochen und vom Antlitz der Erde verschwunden sind. Dieses unausweichliche Verschwinden und Vergehen ist es, an das die moderne Wohlstandsgesellschaft nicht gerne erinnert werden möchte. Statt seiner Bewusstmachung durch wissenschaftliche Forschung und universitäre Lehre scheint es zumindest in manchen Einrichtungen deshalb offenbar opportun, die entsprechenden Fächer einfach aus dem universitären Kanon zu entfernen.

    Doch die archäologische Beschäftigung mit der Vergangenheit offenbart nicht nur eine existenzielle Vergänglichkeit, die das moderne Streben nach Vitalität, Fortschritt und Wachstum konterkariert. Sie ermöglicht auch eine Erfahrung der Vergangenheit, die in ihrer Unmittelbarkeit einmalig ist. Die Art dieser Erfahrung hat ein berühmter Zeitgenosse Siegmund Freuds auf den Punkt gebracht: „Zum Raum wird hier die Zeit“. So beschreibt in Richard Wagners „Parsifal“ der weise Ritter Gurnemanz das eigentlich Unbeschreibbare: jenen Moment der puren Transzendenz, in dem die Gemeinschaft der Ritter durch die Kommunion aus dem heiligen Gral in direkter Linie das letzte Abendmahl von Jesus und seinen Jüngern fortsetzt. Zum Raum und zum Gegenstand gewordene Zeit, durch die wir einen unmittelbaren Zugang zur Menschheitsgeschichte erhalten: damit beschäftigt sich die Archäologie, und das macht auch ihre breitenwirksame Faszination aus. Wir wären als Gesellschaft gut beraten, diese einzigartige Form der Geschichtserfahrung nicht gering zu schätzen.

  • Start des LEIZA Journal of Archaeology (LJA)

    Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

    Wir freuen uns, den baldigen Start des LEIZA Journal of Archaeology (LJA) anzukündigen. Es handelt sich dabei um eine neue, double-blind begutachtete, englischsprachige Fachzeitschrift für globale Archäologie, die vom Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA) herausgegeben wird – dem zweitgrößten archäologischen Forschungsinstitut in Deutschland.

    Das LJA versteht sich als eine Online-Zeitschrift, die innovative Forschungsarbeiten aus allen Regionen und Epochen der Archäologie präsentiert. Gleichzeitig möchte das LJA die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen fördern und deren Forschungsergebnisse zugänglich machen.

    In einer Welt, in der wissenschaftliche Veröffentlichungen zunehmend kommerzialisiert werden, verfolgt das LJA ausdrücklich einen alternativen Ansatz:

    • Das LJA wird im Diamond Open Access-Modell erscheinen, sodass alle Wissenschaftler*innen ihre Arbeiten auf eine Weise publizieren können, die im höchsten Maße Sichtbarkeit, Zitation und Wirkung fördert.
    • Im LJA werden längere Forschungsarbeiten über vergangenes menschliches Verhalten und Handeln in all seinen Formen veröffentlicht. Diese Arbeiten können hochauflösende Abbildungen enthalten und bieten darüber hinaus die Möglichkeit, umfangreiche Datensätze als ergänzendes Material beizufügen. Unser Ziel ist es, Diskussionen anzuregen, die Aufschluss über die Vergangenheit geben, die Gegenwart beleuchten und die Zukunft gestalten.

    Das LJA verpflichtet sich zu höchster akademischer Exzellenz, unterstützt durch einen Redaktionsbeirat aus renommierten Expert*innen. Alle eingereichten Arbeiten werden streng nach den Standards des Double Blind Peer Review-Verfahrens geprüft. Eine vollständige Liste des Editorial Boards sowie detaillierte Informationen zur Zeitschrift, einschließlich der Einreichungsmodalitäten sowie Richtlinien, finden Sie auf unserer Website: https://www.leiza.de/forschung/publikationen/leiza-journal-of-archaeology

    Wir laden Sie herzlich ein, sich an den Managing Editor Dimitri van Limbergen (dimitri.vanlimbergen(at)leiza.de) zu wenden, der Ihr Paper auf Eignung prüfen und Sie von der Einreichung bis zur Publikation begleiten wird. Von ihm erhalten Sie auch weitere Informationen über die Ziele und Visionen der Zeitschrift sowie Details zum Einreichungsprozess.

    Ab Ende Frühjahr/Anfang Sommer 2026 werden wir Einreichungen entgegennehmen.

    Wir freuen uns sehr auf Ihre Kontaktaufnahme.

    LEIBNIZ-ZENTRUM
    FÜR ARCHÄOLOGIE


    Dr. Dimitri Van Limbergen 
    Journal Managing Editor

    Wissenschaftliche Redaktion

    Ludwig-Lindenschmit-Forum 1
    55116 Mainz

    In Office: Wednesdays & Thursdays

    T: +49 6131 8885 251 (3CX)

    Mob: +49 1515 2594546

    dimitri.vanlimbergen(at)leiza.de

    leiza.de

    ORCID: 0000-0002-7554-6513

    https://leiza.academia.edu/DimitriVanLimbergen

    https://www.researchgate.net/profile/Dimitri-Van-Limbergen

    https://www.linkedin.com/in/dimitri-van-limbergen-ab0695107

    Das LEIZA ist eine Stiftung des öffentlichen Rechts des Landes Rheinland-Pfalz und der Stadt Mainz. Hauptsitz ist Mainz. Die Aufsicht wird durch das Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit des Landes Rheinland-Pfalz wahrgenommen. Das LEIZA ist ein Forschungsmuseum der Leibniz-Gemeinschaft.

  • Anonyme Online-Umfrage zum Thema Selbstzensur in den Kultur- und Altertumswissenschaften

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    im Rahmen eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts führe ich derzeit eine anonyme Online-Umfrage zum Thema Selbstzensur in den Kultur- und Altertumswissenschaften durch.

    Die Umfrage untersucht, inwiefern politische, institutionelle oder akademische Rahmenbedingungen Einfluss auf Themenwahl, Argumentation oder öffentliche Positionierungen von Forschenden nehmen. Besonders interessiert mich die Perspektive von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in unterschiedlichen Karrierestufen.

    Bitte unterstützen Sie das Projekt und nehmen Sie an der Umfrage teil.

    Die Teilnahme ist anonym, dauert ca. 8–10 Minuten und dient ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken.

    Hier geht es zur Umfrage:

    https://deltasurvey.limesurvey.net/388575?lang=en&newtest=Y

    Für Rückfragen stehe ich selbstverständlich gerne zur Verfügung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Eva Maria Hemauer, M.A.
    Wissenschaftliche Mitarbeiterin
    Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin
    Institut für Archäologie und Kulturgeschichte Nordostafrikas

    — ENGLISH VERSION —

    Dear Sir or Madam,

    As part of an academic research project, I am currently conducting an anonymous online survey on self-censorship in the humanities and ancient studies.

    The survey explores how political, institutional, or academic contexts may influence scholars’ choice of research topics, modes of argumentation, or public positioning. I am particularly interested in perspectives across different career stages.

    I would be very grateful if you could circulate the survey invitation and link through your mailing lists or relevant communication channels.

    Participation is anonymous, takes approximately 8–10 minutes, and serves exclusively academic research purposes.

    Survey link:
    https://deltasurvey.limesurvey.net/388575?lang=en&newtest=Y

    Please do not hesitate to contact me if you have any questions.

    Kind regards,

    Eva Maria Hemauer, M.A.
    Wissenschaftliche Mitarbeiterin
    Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin
    Institut für Archäologie und Kulturgeschichte Nordostafrikas

  • Projekt-Förderung durch die Novus-Stiftung

    Die Novus Stiftung fördert kleinere Projekte aus dem Bereich der Altertumswissenschaften. Damit soll Studierenden und Wissenschaftler:innen im Alltag die Umsetzung von kreativen Ideen, besonderen Lehrveranstaltungen, Outreachformaten u.a. ermöglicht werden: schnell, einfach und unbürokratisch.
    Die erste Antragsfrist ist der 1. Juni 2026 – Anträge müssen direkt online über die Website gestellt werden.

    Follow us on Insta: @Novus.Stiftung

  • Propylaeum bietet Newsletter an: PropylaeumNEWS

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    der Fachinformationsdienst Altertumswissenschaften – Propylaeum bietet jetzt einen eigenen Newsletter an: PropylaeumNEWS informiert Sie monatlich über neue Entwicklungen im FID Altertumswissenschaften, Informationsveranstaltungen sowie Neuerscheinungen im Bereich E-Publishing.

    Sie können sich in unserem Portal für den Newsletter anmelden: https://www.propylaeum.de/service/newsletter Unseren ersten Newsletter PropylaeumNEWS Nr. 1/2026 finden sie unter folgendem Link zur Ansicht: https://t6cd92f76.emailsys1a.net/mailing/287/8882567/0/3f9804c1c8/index.html Außerdem würden wir Sie gerne bitten, PropylaeumNEWS auf Ihren üblichen Kanälen bekannt zu machen. Hierfür können Sie gerne auch unseren Blogeintrag (https://www.propylaeum.de/blog/permalink/952) oder unsere Social Media Einträge auf Bluesky (@propylaeum.bsky.social), Mastodon (@Propylaeum(at)mastodon.social) und (https://www.facebook.com/propylaeum) verwenden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ansgar Teichgräber

    Dr. Ansgar Teichgräber (er/ihn, he/him)
    Bayerische Staatsbibliothek München
    Projektmitarbeiter Fachinformation Altertumswissenschaften
    Telefon: +49 89 28638 2419
    E-Mail: ansgar.teichgraeber(at)bsb-muenchen.de
    Jetzt neu: PropylaeumNEWS – Newsletter des FID Altertumswissenschaften ( https://www.propylaeum.de/service/newsletter )