Mommsen-Gesellschaft e.V.
Verband der deutschsprachigen Forscherinnen und Forscher auf dem Gebiete des Griechisch-Römischen Altertums
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URSPRUNG UND ENTWICKLUNG Sehnsucht und Suche nach den Anfängen, 1750–1850

Zweites Wellhöfer-Kolloquium, Freitag/Samstag, 4./5. Dezember 2026

ORIGINS AND EVOLUTION
The Quest for Beginnings, 1750–1850
Second Wellhöfer Colloquium, Friday 4–Saturday 5 December 2026
Würzburg, Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg

Veranstaltet von/organized by:
Damian Dombrowski (Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg), Ulrich
Pfisterer (Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München)

Der Rückbezug auf ältere Kulturstufen gehört zum Grundinventar jeder Zivilisation.
Doch seit dem mittleren 18. Jahrhundert kommt es zu fundamentalen Veränderungen
in der Art dieses Rekurses: Nicht nur vermeintliche oder tatsächliche Höhepunkte
innerhalb der eigenen Vergangenheit ziehen die Aufmerksamkeit von Forschern,
Literaten und Künstlern auf sich, sondern vermehrt auch Frühformen gesellschaftlicher
und künstlerischer Formierung. Diesem ‚originistischen Verlangen‘ widmet sich die
diesjährige Ausgabe des Wellhöfer-Kolloquiums, das alle zwei Jahre Forschungsfragen
zur Kunst- und Kulturgeschichte zwischen 1750 und 1850 aus interdisziplinärer
Perspektive adressiert.

An den unterschiedlichsten Orten Europas steigen Anthropologie und frühe
Zivilisationsgeschichte zu zentralen Forschungsthemen auf. Nach und nach verliert der
Blick auf die klassische Antike seine normative Verbindlichkeit: In Italien rücken die
Etrusker, in England die Kelten ins Blickfeld; im Innern der klassizistischen Walhalla ist
der Hauptschmuck ein monumentaler Fries mit der Geschichte der Deutschen von der
Einwanderung aus Asien bis zur Taufe Widukinds. Die homerischen Epen werden als
älteste Literaturdenkmäler übersetzt, verehrt und massenhaft dargestellt, weil man in
ihnen eine später verlorengegangene Einfachheit zu erkennen glaubte – entsprechend
einer Umwertung in der Wahrnehmung der mediterranen Antike, für die Friedrich
Schillers Schilderung einer vorgeschichtlichen Idylle in Die Götter Griechenlands
bezeichnend ist. In der Archäologie weicht der anfängliche Idealismus dem
Relativismus, die Teleologie der Ätiologie, die Begeisterung für die Klassik dem
Interesse an der Archaik. Johann Wolfgang von Goethe und Wilhelm von Humboldt
suchen nach der Ursprache, Jean-Jacques Rousseau und Marc-Antoine Laugier
verankern die Urhütte in der Architekturtheorie.
Neben der Verschiebung der Anfänge in weiter zurückliegende Zeitschichten umgreift
der thematische Radius der Tagung auch die gleichzeitige Mittelalter-Rezeption, wie sie
sich etwa im Tafelwerk von J. B. L. G. Seroux d’Agincourt oder in der Sammlung von
Sulpiz Boisserée konkretisiert, aber auch bildkünstlerisch in style troubadour und
Nazarenertum. Angesichts der gemeinsamen Suche nach Ursprünglichkeit verliert der
Gegensatz zwischen klassizistischen und romantischen Tendenzen seine Schärfe und
tritt eher das Verbindende in der künstlerischen Praxis hervor. Wünschenswert wären
daher auch Forschungsbeiträge zu formalen Archaismen, Stilisierungen und
Abstrahierungen, die sich besonders im Frankreich des 19. Jahrhunderts (Ingres) aus
der Ursprungsthematik zu ergeben scheinen, als produktiver Gegensatz zur
spätklassizistischen Salonmalerei. Zu diskutieren wäre beispielsweise auch, ob nicht
sogar schon der aus der griechischen Vasenmalerei abgeleitete Umrissstil (Flaxman) in
denselben archaistischen Kontext gehört – aber auch, ob die Konfrontation mit der
Archaik, beispielsweise im Fries der Ägineten, für eine produktive Rezeption womöglich
zu überfordernd war. In welchem Maße wirkte sich das Beharrungsvermögen
klassizistischer Geschmacksurteile auf die künstlerische und kunstkritische Begegnung
mit den neuerschlossenen früheren Epochen aus? Und wie verändert deren Kenntnis
wiederum die Begriffe von Normativität und Vorbildlichkeit? Die Liste an Beispielen für
die neue Sehnsucht nach den Anfängen ließe sich nahezu beliebig und in jede
erdenkliche Richtung fortsetzen; selbst die ‚Entdeckung der Kindheit‘ gehört in diesen
Zusammenhang.
Zur Teilnahme aufgerufen sind nicht nur die bildgestützten Wissenschaften (neben der
Kunstgeschichte besonders die Klassische Archäologie und die Ägyptologie);
idealerweise soll die Diskussion um Beiträge aus den philologischen Fächern oder der
Wissenschaftsgeschichte bereichert werden. Die Einladung zur Tagung ist verbunden
mit einer Übernahme der Kosten für Anreise und Übernachtung.

Die Veranstalter bitten um Vorschläge für 20-minütige Referate in englischer oder
deutscher Sprache. Dazu senden Sie bitte ein Abstract (max. 2000 Zeichen einschl. LZ)
und einen kurzen CV (max. 1.500 Zeichen einschl. LZ) bis 28. Februar 2026 per E-Mail
an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. und damian.dombrowski@uni-
wuerzburg.de. Die Benachrichtigung über die Teilnahme erfolgt bis 15. März 2026.
***
The recourse to earlier stages of culture belongs to the basic inventory of every
civilization. Since the mid-eighteenth century, however, profound transformations
have taken place in the modes of such engagement. No longer were scholars, writers,
and artists concerned solely with presumed or actual high points within their own
pasts; instead, increasing attention was directed toward early forms of social and
artistic formation. This “originist desire” constitutes the central theme of this year’s
Wellhöfer Colloquium, which every two years addresses research questions in the
history of art and culture between 1750 and 1850 from an interdisciplinary perspective.
Across diverse regions of Europe, anthropology and early civilizational history emerged
as central fields of scholarly inquiry. The normative authority of classical antiquity
began to erode: in Italy, the Etruscans came into focus; in England, the Celts; and
within the interior of the classicist Walhalla, the principal ornament was a
monumental frieze depicting the history of the Germans from their migration from
Asia to the baptism of Widukind. The Homeric epics were translated, revered, and
illustrated on an unprecedented scale as the earliest monuments of literature, believed
to embody a simplicity subsequently lost—corresponding to a broader revaluation of
Mediterranean antiquity, for which Friedrich Schiller’s depiction of a prehistoric idyll in
The Gods of Greece is emblematic. In archaeology, early idealism gave way to relativism,
teleology to aetiology, and enthusiasm for the classical to an interest in the archaic.
Johann Wolfgang von Goethe and Wilhelm von Humboldt pursued the idea of a primal
language; Jean-Jacques Rousseau and Marc-Antoine Laugier anchored the “primitive
hut” in architectural theory.
Alongside this shift of beginnings into more remote historical strata, the thematic
scope of the conference also encompasses the simultaneous reception of the Middle
Ages. This reception found concrete expression, for example, in the illustrated volumes
of J. B. L. G. Seroux d’Agincourt or in the collection assembled by Sulpiz Boisserée, as
well as in visual culture through the style troubadour and the Nazarene movement. In
light of a shared preoccupation with origins and authenticity, the traditional opposition
between classicist and romantic tendencies loses much of its sharpness, while points of
convergence in artistic practice come to the fore. Accordingly, contributions addressing
formal archaisms, stylizations, and abstractions are particularly welcome—phenomena
that, especially in nineteenth-century France (Ingres), appear to arise from the
discourse on origins as a productive counterpoint to late classicist Salon painting.
It would also be worth discussing whether the outline style derived from Greek vase
painting (Flaxman) should be situated within the same archaistic framework—and
whether the concrete confrontation with archaic works, such as the Aegina pediment
sculptures, may have posed excessive challenges to a productive reception. To what
extent did the persistence of classicist aesthetics affect artistic and critical encounters
with newly uncovered early epochs? And how did the growing knowledge of these
periods, in turn, transform prevailing notions of normativity and exemplarity? The
range of examples illustrating the new longing for beginnings could be extended
almost indefinitely and in every conceivable direction; even the so-called “discovery of
childhood” belongs within this conceptual horizon.
Participation is sought not only from image-based disciplines—most notably art
history and, in particular, classical archaeology—but the discussion would ideally be
enriched by contributions from philological fields and the history of science. The
invitation to the conference includes coverage of travel and accommodation costs.
The organizers invite proposals for 20-minute papers in English or German.

Please submit an abstract (maximum 2,000 characters including spaces) and a short CV
(maximum 1,500 characters including spaces) by 28 February 2026 via e-mail to
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. and Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..
Notification of participation will be given by 15 March 2026.

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