Fragiles Wissen. Zum Umgang mit prekärem und umstrittenem Wissen in der Vormoderne.
Conference:
* English version below *
Fragiles Wissen. Zum Umgang mit prekärem und umstrittenem Wissen in der Vormoderne. Fragile Knowledge: Dealing with precarious and contested knowledge in premodern times.
15.–17. Oktober 2026, IBZ Kiellinie 5, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Veranstalter:
Exzellenzcluster ROOTS, Subcluster Knowledge: Andreas Schwab, Gerald Schwedler, Islème Sassi
Der Umgang mit Wissen ist eine existenzielle Triebkraft des Menschen. Doch ist Wissen – in einem weiten Sinn verstanden – nicht immer gleichermaßen bedeutsam: Wie wertvoll und nützlich wird Wissen eingeschätzt? Wer bestimmt über seine Relevanz? Wird bestimmtes Wissen nur von Teilen einer Gemeinschaft anerkannt, von anderen bestritten oder angezweifelt? Wo dient es als Antrieb für die weitere Wissensproduktion, wo wird es als unveränderlich angesehen? Welche Rolle spielt bei all diesen Fragen seine Fragilität?
Nachdem durch die Tagung über «Wissensräume. Konstruktionen und Dynamiken des Wissens in der Antike» im Herbst 2024 an der CAU Kiel bereits ein fruchtbarer Austausch zu den Produktions- und Rezeptionsorten von Wissen, zu Wissensformen, Akteuren und Praktiken des Wissensaustauschs angestoßen wurde (vgl. den Bericht https://www.hsozkult.de/conferencereport/id/fdkn-151403), widmet sich die zweite Kieler Tagung «Fragiles Wissen» den unsicheren und unbestimmten Aspekten von Wissen. Während die theoretischen Grundlagen und ihre Anwendung in aktuellen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskursen bereits Gegenstand vertiefter Forschung sind, stellt die Untersuchung dieses schillernden Phänomens in der vormodernen Welt – insbesondere in Antike und Mittelalter – ein Desiderat dar.
Die Tagung will Forschende verschiedener Disziplinen wie der Archäologien, den Geschichtswissenschaften, der Philosophie, der Klassischen Philologie, der Religionswissenschaft und der Theologie versammeln, um folgende Fragen zu entwickeln:
- Prekäres Wissen: Wie gingen die Menschen zu verschiedenen Zeiten mit Wissen um, von dem sie annahmen, dass es sich dabei um «wahres Wissen» handelte? Welche Verfahren wurden angewendet, um Wissen zu überprüfen? Wurden Entscheide bewusst auf der Basis von prekärem Wissen gefällt? Wie reagierten Gemeinschaften auf die Tatsache, dass sich bestimmtes Wissen nicht überprüfen lässt? War Zweifel positiv oder negativ konnotiert? Inwiefern wurde reflektiert, wie sicher man sich eines Wissensgegenstandes war?
- Umstrittenes Wissen: Wie gingen Gemeinschaften mit der Existenz von konkurrierenden Wissensgegenständen um, die einander widersprachen? Welche Rolle spielte die (öffentliche) Entwertung von vermeintlichem Wissen? Wurde bestimmten Teilen der Gesellschaft die erfolgreiche Wissensproduktion oder ‑rezeption abgesprochen?
Zur Einreichung von Themenvorschlägen senden Sie bitte ein Abstract (max. 3.500 Zeichen) und eine Kurzbiografie (max. 800 Zeichen) und Ihre Kontaktdaten bis zum 31. März 2026 an Dr. Wong Tsz (
Als Keynote konnten wir Prof. Dr. Martin Mulsow, Professor für Wissenskulturen der europäischen Neuzeit und Direktor des Forschungszentrums Gotha an der Universität Erfurt gewinnen.
Die Annahme der Themenvorschläge erfolgt bis Mitte April. Übernachtungskosten können übernommen werden, Reisekosten aller Voraussicht nach Rücksprache.
Konferenzsprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch
Organisation: Prof. Dr. Islème Sassi, Prof. Dr. Andreas Schwab, Prof. Dr. Gerald Schwedler (CAU Kiel)
English Version
Conference:
Fragile Knowledge. Dealing with precarious and contested knowledge in premodern times. (Fragiles Wissen. Zum Umgang mit prekärem und umstrittenem Wissen in der Vormoderne.)
15–17 October 2026, IBZ, Kiellinie 5, Kiel University (Christian Albrechts University of Kiel)
Organizers:
ROOTS Cluster of Excellence, subcluster Knowledge: Andreas Schwab, Gerald Schwedler, Islème Sassi
Dealing with knowledge is an existential driving force of mankind. Knowledge – understood in a broad sense – is not always equally significant: How valuable and useful is fragile knowledge considered to be? Who determines its relevance? Is certain knowledge only recognized by parts of a community, while others question or doubt it? Where does it serve as a driving force for further knowledge production, and where is it accepted as fixed? What role does its fragility play in all these questions?
Following the conference “Knowledge Spaces. Constructions and dynamics of knowledge in antiquity,” held at Kiel University in autumn 2024, which initiated a productive exchange on the spaces of knowledge production and reception, on forms of knowledge, actors, and practices of knowledge transfer (see the report: https://www.hsozkult.de/conferencereport/id/fdkn-151403), the second Kiel conference “Fragile Knowledge” focuses on the uncertain and indeterminate aspects of knowledge. While the theoretical foundations and their application in contemporary social and scholarly debates have already been the subject of in-depth research, examining this multifaceted phenomenon in the premodern world remains a desideratum.
The conference aims to bring together researchers from various disciplines—such as archaeology, history, philosophy, classical philology, religious studies, and theology—to develop approaches to the following questions:
- Precarious knowledge: How did people at different times deal with knowledge they were not sure was “true knowledge”? What procedures were used to verify knowledge? Were decisions consciously made on the basis of precarious knowledge? How did communities react to the fact that certain knowledge cannot be verified? Was doubt viewed positively or negatively? To what extent did people reflect on how certain they were about an object of knowledge?
- Contested knowledge: How did communities deal with the existence of competing bodies of knowledge that contradicted one another? What role did the (public) devaluation of supposed knowledge play? Were certain parts of society denied the ability to produce or successfully receive knowledge?
To submit a proposal, please send an abstract (max. 3,500 characters), a short biography (max. 800 characters), and your contact details by 31 March 2026 to Dr Wong Tsz (
Keynote: Prof. Dr Martin Mulsow—Professor of Knowledge Cultures of the European Early Modern Period and Director of the Gotha Research Centre at the University of Erfurt.
Notifications of acceptance will be sent by mid-March. Accommodation costs can be covered; travel costs will most likely be covered after consultation.
Conference languages: German, English, French, Italian
Organisation: Prof. Dr Islème Sassi, Prof. Dr Andreas Schwab, Prof. Dr Gerald Schwedler (Kiel University)



