Workshop: Herrschaftspraxis im Seleukidenreich.Räume, Strukturen und Akteure

Das Seleukidenreich erstreckte sich über einen außerordentlich großen und politisch, kulturell und
sozial heterogenen Raum. Die Frage, wie unter diesen Bedingungen königliche Herrschaft
organisiert und wirksam werden konnte, gehört daher zu den zentralen Problemen der
Seleukidenforschung. Dabei stellt sich nicht allein die Frage nach den institutionellen Strukturen
des Reiches, sondern insbesondere danach, wie Herrschaft praktisch ausgeübt, vermittelt und in
unterschiedlichen Räumen präsent gemacht wurde.
Der Workshop möchte deshalb die Praxis seleukidischer Herrschaft in den Mittelpunkt stellen.
Wie konnte eine kleine makedonisch-griechische Herrschaftsgruppe mit den vielfältigen ethnischen
und politischen Gruppen des Reiches kommunizieren und Herrschaft vermitteln? Gefragt werden
soll also, welche Akteure, Strukturen und Praktiken es ermöglichten, königliche Herrschaft über
große Distanzen – auch vor dem Hintergrund der möglichen Kommunikationsmittel – hinweg
auszuüben und unterschiedliche Regionen in die seleukidische Herrschaftsordnung einzubinden.


Im Zentrum steht dabei die Frage:
Wie wurde seleukidische Herrschaft räumlich wirksam – und welche Rolle spielten dabei die
Mobilität des Königs und seines Hofes, Kommunikation, lokale Akteure und regionale Netzwerke?
Besonderes Interesse gilt dabei der räumlichen Dimension seleukidischer Herrschaft. Das
Verhältnis zwischen Zentrum bzw. Zentren und Peripherie, die Präsenz oder Abwesenheit des
Königs, die Mobilität des Hofes sowie die Einbindung unterschiedlicher Regionen und
Bevölkerungsgruppen eröffnen wichtige Perspektiven auf die Funktionsweise des Reiches. Ebenso
soll danach gefragt werden, inwiefern sich Herrschaftsstrukturen und Herrschaftspraktiken im
Verlauf der seleukidischen Geschichte veränderten.
Erwünscht sind Beiträge, die anhand konkreter Fallbeispiele oder übergreifender Untersuchungen
zeigen, wie seleukidische Herrschaft vor Ort funktionierte. Dabei soll nicht allein rekonstruiert
werden, welche Institutionen oder Ämter existierten, sondern untersucht werden, wie diese
Strukturen in der politischen Praxis wirksam wurden.


Mögliche Fragestellungen sind etwa:
§ Wie wurde die Präsenz des Königs in den verschiedenen Regionen des Reiches hergestellt und
wahrgenommen? Welche Infrastruktur stand dem Herrscher zur Verfügung? Gab es eine Art
„Königsumritt“?
§ Welche Bedeutung hatten Reisen des Königs und des Hofes für die Ausübung und
Kommunikation von Herrschaft?
§ Welche Rolle spielten Hof, Verwaltung, Militär und königliche Netzwerke?
§ Wie wurden lokale Eliten, Städte und regionale Machthaber in königliche Herrschaft
eingebunden?
§ Wie funktionierte das Verhältnis zwischen königlicher Präsenz und delegierter Herrschaft?
§ Welche Bedeutung hatten Kommunikation, persönliche Beziehungen und Patronage?
§ Wie wurde königliche Herrschaft in unterschiedlichen Regionen konkret sichtbar und wirksam?
§ Lassen sich regionale oder zeitliche Unterschiede in den Herrschaftspraktiken feststellen?
§ In welchem Verhältnis standen seleukidische Herrschaftspraktiken zu älteren, insbesondere
achämenidischen und alexandrinischen Traditionen?

Von den Beiträgen wird erwünscht, dass sie über die Beschreibung einzelner Institutionen oder
Phänomene hinausgehen und nach deren Funktion für die konkrete Ausübung königlicher
Herrschaft fragen. Besonders willkommen sind Untersuchungen, die Herrschaft als einen
dynamischen und räumlich vermittelten Prozess begreifen und unterschiedliche Akteure und
Handlungsebenen miteinander in Beziehung setzen.
Der Workshop versteht sich als Forum für neue Perspektiven und soll einen Beitrag zu einer stärker
praxis- und raumorientierten Perspektive auf das Seleukidenreich leisten. Zugleich soll diskutiert
werden, inwieweit sich das Seleukidenreich als ein Herrschaftsraum verstehen lässt, dessen
politische Ordnung nicht allein durch institutionelle Strukturen, sondern wesentlich durch
Mobilität, Präsenz, Kommunikation und persönliche Netzwerke konstituiert wurde.


Wann: 16.–17. Februar 2027


Beginn: Dienstag, 16.02., ca. 14:00 Uhr, Ende: Mittwoch, 17.02., ca. 14:00 Uhr


Wo: Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Lehrstuhl für Alte Geschichte


Ansprechpartnerin: Dr. Caroline Kreutzer, caroline.kreutzer@uni-bamberg.de


Rückmeldung erbeten bis 30.09.2026